SEO-Bundestagswahl 2017: Deutsche Parteien und Suchmaschinenoptimierung

19. September 2017 | Analysen 2 Kommentare

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 haben wir geschaut, was die politischen Parteien den Google-Nutzern an Inhalten anbieten. Welche Parteien haben die Nase vorn in den Keyword-Rankings? Wie würde die Zusammensetzung des 19. Bundestages aussehen, wenn Keyword-Rankings oder Social Visibility entscheiden würden?

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Bereits vor den Wahlen in den Jahren 2009 und 2013 haben wir uns die organische Such-Performance der Web-Auftritte von CDU, SPD, Grünen, FDP, Linke und der Piratenpartei angeschaut. Doch nicht nur die Suchmaschinenlandschaft entwickelt sich. Da die Piratenpartei aktuell etwa so relevant ist wie lycos, haben wir sie dieses Mal mit der AfD ersetzt. Folgende Domains sind Objekt dieser Analyse:

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Die CSU wurde zunächst aus der Analyse rausgelassen, damit für jede Partei nur eine Domain betrachtet wird. Ergebnisse, die auch die CSU mit berücksichtigen, finden Sie am Ende dieses Posts.

Wie sichtbar sind die Parteien auf Google.de?

Der erste Anhaltspunkt bei der Analyse der Online-Performance ist die SEO Visibility, welche verschiedene Indizien in einer Zahl zusammenfasst. Die Grafik zeigt die Entwicklung der SEO Visibility aller sechs Domains. Da die Searchmetrics SuiteTM Visibility-Daten enthält, die bis zu fünf Jahre zurückreichen, können wir die Entwicklung seit der letzten Bundestagswahl am 22.09.2013 aufzeigen.

SEO-Visibility-6-domains, SearchmetricsDie SEO Visibility zeigt uns, dass mit Ausnahme der AfD alle Parteien nach der Bundestagswahl 2013 zunächst etwas Online-Sichtbarkeit verloren. In den Zwischenjahren blieben sie verhältnismäßig konstant. In den letzten Monaten vor der diesjährigen Wahl haben die meisten wieder angefangen, an SEO Visibility zu gewinnen.

Anzahl der Keyword-Rankings

Eine weitere wichtige Kennzahl für die Auffindbarkeit einer Domain auf Google.de ist die Anzahl der Suchbegriffe, für die eine Website unter den Suchergebnisseiten zu finden ist. Die folgende Grafik zeigt für alle sechs Parteien, für wie viele Keywords sie auf den ersten 100 Suchpositionen ranken.

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Nach der reinen Anzahl der Suchbegriffe liegt die Linkspartei mit 4.589 Keywords vorne, gefolgt von CDU, dann Grüne, SPD und FDP. Die AfD bildet das Schlusslicht mit nur 779 Keywords.

Traffic-Index: Aus Suchenden werden Besucher

Für die Wähler und Wählerinnen ist nicht jedes Thema gleich wichtig. Auch bei Google wird nicht jedes Keyword gleich oft in die Suchmaske eingegeben. Je höher das Suchvolumen eines Keywords – das heißt: je häufiger es gesucht wird – umso mehr Traffic wird für die hochrankenden URLs generiert. Und den meisten Traffic bekommen die Seiten, die auf den höchsten Suchpositionen liegen.

Deshalb ergibt es Sinn, den Traffic-Index anzuschauen, welcher aus den Keywords resultiert. Berücksichtigen wir Suchvolumen und Ranking-Position, sieht die Verteilung der Parteien schon deutlich anders aus.

Traffic-Index-all

Der Spieß wurde komplett umgedreht. Die AfD hat einen höheren Traffic-Index als alle anderen Parteien zusammen. Dies heißt, dass afd.de zwar nicht für sehr viele Keywords rankt, dafür aber für welche mit sehr hohem Suchvolumen – und eher auf den höheren Rangpositionen. Allein der Suchbegriff „AfD“ hat ein Suchvolumen von 624.844, was ca. 7,5-mal höher ist, als das des zweitmeistgesuchten Keywords „SPD.“

Nimmt man alle Keywords aus der Kalkulation heraus, die einen der Parteinamen beinhalten, sieht die Traffic-Index-Verteilung ganz anders aus.

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Jetzt bangt die AfD um das Erreichen der 5%-Hürde. Dies deutet darauf hin, dass die anderen Parteien eher für informationelle Keywords ranken, während die AfD hauptsächlich für navigationale Begriffe rankt – das heißt: sie werden von Leuten gefunden, die gezielt nach ihrer Webseite suchen. Wer allgemeiner nach einem Thema sucht, landet mit hoher Wahrscheinlichkeit bei einer der anderen Parteien.

In der Suchmaschinenoptimierung wie in der Politik gibt es verschiedene Strategien. Man kann versuchen, mit wenigen, aber für die Menschen wichtigen Themen zu punkten. Oder man kann versuchen, mit einem breiten Angebot an Themen die Wähler bzw. die Online-Nutzer auf vielfältige Art und Weise zu erreichen. Ebenso kann man entweder den Fokus darauf legen, die bestehende Basis zufriedenzustellen oder man spricht Wechselwähler an, indem man sich inhaltlich breiter aufstellt.

Wahlkampf in den sozialen Medien

Neben der Visibility bei Google.de lohnt sich ein Blick auf die Sichtbarkeit der Partei-Domains auf sozialen Plattformen. Diese Social Visibility zeigt uns, wie oft die politischen Parteien auf Facebook, Google+ oder LinkedIn geteilt oder geliked werden.

Parteien-Social-VisibilityHier ist interessant zu beobachten, dass afd.de nur ein Bruchteil der Social Visibility der anderen Parteien genießt, und dass die Domain der CDU etwa 15-mal mehr Social Signals hat als die nächste Partei. Da sich die sozialen Medien für eine persönlichere Kommunikation mit den Wählern anbieten, haben die meisten Spitzenkandidaten der politischen Parteien eine eigene Facebook-Seite. Bei der Anzahl der Fans gibt es auch hier eine klare Spitzenreiterin.

Facebook-Fans-SpitzenkandidatenAngela Merkel hat sechsmal so viele Fans wie ihr stärkster Facebook-Herausforderer. Dies deckt sich mit der großen Anzahl an Facebook-Fans ihrer Partei. Natürlich wird nicht auf Facebook, sondern im Wahllokal gewählt, aber dies könnte ein positives Zeichen für die Beliebtheit der Union sein.

Genug mit den Persönlichkeiten: Was ist mit den Themen?

Wir hatten uns schon die reine Anzahl der Keywords angeschaut, für die die Parteien ranken. Logischerweise rankt gruene.de für Keywords wie „die Grünen“ und fünf Domains ranken auf der ersten Suchergebnisseite für „einer Partei beitreten.“ Aber was ist mit den eigentlichen Wahlkampfthemen? Manche behaupten, Personen wären uns heute wichtiger als Wahlprogramme, aber viele wollen doch wissen, zu welchen Inhalten sich positionieren die Parteien überhaupt positionieren. Welche Parteipositionen werden über die Google-Suche gefunden?

Für alle sechs Parteien haben wir die Keywords nach politischen Themen gefiltert. Die folgenden Tabellen zeigen die 10 Themen jeder Partei, die den höchsten Traffic-Index aufweisen. Die Tabellen zeigen auch, auf welcher Position die Parteien für diese Suchbegriffe ranken sowie das Suchvolumen jedes Begriffs.

afd-themen-traffic-indexcdu-themen-traffic-indexfdp-themen-traffic-indexgruene-themen-traffic-indexlinke-themen-traffic-indexspd-themen-traffic-indexWir sehen hier, dass die FDP im Vergleich zu den anderen Parteien ganz stark ist, was den Gesamt-Traffic-Index betrifft. Dies zeigt, dass die Liberalen insgesamt für wenige Keywords und Themen ranken, aber dafür für einige allgemeine Begriffe, die häufig gesucht werden. Im Vergleich rankt die CDU für viele Themen nur, wenn diese in Verbindung mit „CDU“ gesucht werden.

Neben den reinen Zahlen sind auch die Themen jeder Partei von Interesse. In vielen Fällen entsprechen die Keywords den traditionellen Schwerpunktthemen der Parteien. Die Linke rankt für „Mindestlohn“, „Panama Papers“ und „Rente mit 63 Mogelpackung“. Die Grünen ranken für „Globalisierung“, „Flüchtlingen helfen“ und „Klimaschutz“. Dass aber die FDP auf Position 9 für „soziale Gerechtigkeit“ rankt, mag für manche eine Überraschung sein.

Konkurrenzfelder: Welche Stimmen werden in den politischen Debatten gehört?

In der Politik gilt es nicht nur, die eigenen Lieblingsthemen anzusprechen, sondern auch zu kommunizieren, dass man bei wichtigen Themen bessere Lösungen zu bieten hat als die Konkurrenz.

Um zu sehen, inwiefern sich die Inhalte der Parteien überschneiden, können wir die geteilten Keywords anschauen. Das heißt: die Suchbegriffe, für die zwei Parteien beide ranken.

geteilte-keywords-6-parteienHier werden wieder alle Inhalte erfasst, die auf den Partei-Domains gefunden werden. Beispielsweise teilen SPD, Linkspartei und Grüne das Keyword „Giveaways Wahlkampf“.

Welche Partei ist gegen TTIP?

Um nun den Fokus auf die eigentlichen politischen Wahlkampfthemen zu legen, schauen wir, für wie viele Wahlkampthemen-Keywords mehr als eine Partei in der Top20 rankt. Hier nehmen wir ausschließlich Keywords aus den Top20-Suchergebnissen, um die Themen zu identifizieren, die für die Parteien offensichtlich eine große Rolle spielen.

Besonders auffällig ist die Konkurrenz zwischen der Linkspartei und den Grünen, die bereits bei der Analyse aller Keywords mit 213 die größte Schnittmenge aller Partei-Pärchen aufwiesen.

Bei 20 Wahlkampfthemen-Keywords ranken beide Parteien in Googles Top20 – in 17 dieser Fälle ist aber die entsprechende URL von gruene.de höher als die von die-linke.de. Dies heißt, wenn Leute nach „Freihandelsabkommen stoppen“, „gegen TTTIP“ oder vielen ähnlichen Begriffen suchen, sie fast immer das Ergebnis der Grünen sehen, bevor sie die Botschaft der Linken finden. Im Kampf um die Stimmen der Wähler und Wählerinnen, für die TTIP das wahlentscheidende Thema ist, ist dies für die Grünen natürlich von großem Vorteil.

gruene-vs-linke-themen

Ein weiteres interessantes Beispiel ist das Keyword „CDU Steuerpolitik“. Hier rankt die CDU zwar auf Platz 6, die FDP aber auf Platz 3. Aufgrund des höheren Rankings wäre zu erwarten, dass mehr Google-Nutzer durch die FDP über die Steuerpolitik der CDU informiert werden, als durch die CDU selbst. Dies ist keineswegs ein wünschenswerter Zustand für die Union, zumal die Seite der FDP „Steuerpolitik: CDU-Entlastungsversprechen ist Wahlkampfmanöver“ heißt.

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Die folgenden Tabellen bilden die restlichen Wahlkampfthemen ab, bei denen mehr als eine Partei in der Top20 rankt.

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Und das amtliche Endergebnis lautet…

Wir haben vorhin die gesamte Verteilung des Traffic-Indexes angeschaut, bei der die AfD mehr als 50% bekam. Bei unserem theoretischen Vergleich mit der Bundestagswahl entspricht dies ungefähr den Zweitstimmen, welche proportional in 299 Sitze im Bundestag umgerechnet werden.

Doch im Wahlkampf geht es auch um die Erststimmen – diese sind die Direktmandate, bei denen es in jedem Wahlkries einen – und nur einen – Sieger gibt. Auch bei Google gibt es immer einen Sieger: das Ergebnis auf der ersten Ranking-Position für ein Keyword. Und diese Position ist extrem wichtig, da auf dieses Ergebnis ein Großteil der Klicks fallen.

Um dies nachzubilden, haben wir die 299 Keywords mit dem höchsten Suchvolumen angeschaut, für die eine der Parteien auf der ersten Suchposition rankt. (Hierfür haben wir Keywords, die die Parteinamen enthalten, nicht entfernt.) Diese Spitzenrankings stellen unsere Google-Direktmandate da – hier schneidet die Linkspartei am besten ab.

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Bei der Wahl werden Erst- und Zweitstimme abgegeben, da der Bundestag zur Hälfte aus Direktmandaten und zur Hälfte aus Listenkandidaten (nach Verteilung der Zweitstimmen) zusammengesetzt wird. Auch in der Suchmaschinenoptimierung ist es – je nach Strategie – oft ratsam, sowohl Ressourcen in das Erzielen von Spitzenrankings zu investieren als auch auf seinen Gesamt-Traffic zu achten.

Nun kommen wir zum amtlichen Endergebnis. Setzen wir unseren Google-Bundestag zur Hälfte aus #1-Rankings und zur Hälfte proportional nach der gesamten Traffic-Index-Verteilung aus, fallen die 598 Sitze (bei uns gibt es keine Überhang- oder Ausgleichsmandate) folgendermaßen auf die Parteien:

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Mal sehen, inwiefern die Zusammensetzung des eigentlichen Bundestags mit unserer Sitzverteilung übereinstimmt.

UPDATE: Ergebnisse inklusive der CSU

Es gab einige Nachfragen, warum die CSU als wichtige Partei eines ganzen Bundeslandes nicht in unserer Analyse dabei ist. Der Vergleichbarkeit halber hatten wir uns zunächst als Datengrundlage auf die bundesweiten Parteien konzentriert. Im Folgenden finden Sie die Ergebnisse, wenn man auch die Domain der CSU csu.de in die Analyse aufgenommen wird. Hier werden also die Ergebnisse der CDU und CSU zusammengefasst.

Anzahl Keywords

Wird die CDU von ihrer Schwesterpartei unterstützt, springt sie weit nach oben. Die CSU rankt nämlich für sehr viele Keywords. Auf Landesebene ist vermutlich die Konkurrenz nicht so hoch wie bundesweit.

anzahl-keywords-mit-csu

Traffic-Index

Auch beim Traffic-Index gewinnt die Union durch die CSU. Doch hier fällt das Wachstum deutlich bescheidener aus, als bei der reinen Keyword-Anzahl. Viele der Suchbegriffe, für die die CSU auf den hohen Suchergebnispositionen rankt, haben nämlich ein relativ geringes Suchvolumen. Auch dies ist auf die Regionalität der CSU zurückzuführen.

traffic-index-mit-csu

Traffic-Index ohne Parteinamen

Wie in der Hauptanalyse nehmen wir jetzt alle Keywords aus dem Datensatz heraus, die den Namen der Partei beinhalten. Ohne CSU hatte die SPD den größten Anteil. Zusammen hat die Union knapp die Nase vorn.

traffic-index-parteilos-mit-csuSocial Visibility

Die Social Visibility der CSU, wieder vermutlich aufgrund der begrenzten Reichweite der Anhänger, sieht sie auf dem zweitletzten Rang, hinter alle bundesweiten Parteien außer der AfD.

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Inhalte

Ein Blick auf die inhaltsbezogenen Keywords der CSU zeigt, dass die Partei hohe Rankings für ihre regionalen Themen z.B. „Bildungspolitik Bayern“ sowie ihr prominentestes Wahlkampfversprechen z.B. „Maut“ genießt. Auffällig ist auch, dass die Partei für die meisten Wahlkampfthemen-Keywords nur rankt, wenn diese in Verbindung mit „CSU“ gesucht werden.

csu-themenSpitzenrankings

2013 kam in 89 von 90 Stimmkreisen der Direktkandidat/die Direktkandidatin aus den Reihen der CSU. Auch in Sachen Spitzenrankings bei Google.de ist csu.de ein ernstzunehmender Wettbewerber. Hatte in der Hauptanalyse die Linkspartei die meisten der 299 Spitzenrankings mit höchstem Suchvolumen, so profitiert die Union deutlich vom Erfolg der bayerischen Kollegen und hat 92 Spitzenrankings für die 300 meistgesuchten Keywords. (Jetzt 300, da zwei Keywords das gleiche Suchvolumen haben.)

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Wer zieht nun in den Google-Bundestag ein?

Die Union ist nun stärkste Kraft. Die SPD rutscht in die Opposition bzw. muss überlegen, ob sie erneut Juniorpartner in einer Großen Koalition sein möchte. Rein rechnerisch wären Rot-Rot-Grün oder Jamaika auch möglich.

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Ich bin Stephen, Content Marketing Manager bei Searchmetrics in Berlin. Neben den Posts auf dem Blog hier schreibe ich noch Studien und andere Inhalte zum Thema SEO und Content-Optimierung. Da ich Engländer bin, arbeite ich hauptsächlich an Content-Produkten für unsere britischen und US-amerikanischen Märkte.
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Trackbacks (2)

  1. 20. Sep. 2017 14.00 Uhr

    […] über Spitzenkandidaten und Wahlversprechen. Dabei spielt Google eine enorm große Rolle. Daher hat Searchmetrics eine Untersuchung durchgeführt, die die Performance der Websites der sechs momentan stärksten Parteien im Land bei Google […]

  2. 23. Sep. 2017 08.00 Uhr

    […] Passend dazu empfehle ich Stephens Text: SEO-Bundestagswahl 2017: Deutsche Parteien und Suchmaschinenoptimierung. […]

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