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Analyse: Google-Ranking und Facebook-Shares

Autor: Marcus Tober

Seiten mit vielen Shares und Links von Facebook ranken besser bei Google?! Für den amerikanischen Index hatte Rand Fishkin im April eine Analyse vorgestellt, die eine hohe Korrelation zwischen Facebook Shares, Likes und Comments aufzeigte. Eine einfache Schlussfolgerung seinerseits war, besonders Facebook Shares haben einen Einfluss auf das Ranking. Erstens vertraue ich lieber meinen eigenen Daten und zweitens wurde die Analyse nur für google.com erstellt. Daher wollten wir das für den deutschen Sprachraum nachmessen und den Mechanismus dahinter besser kennen lernen. Wir haben die jeweils 30 ersten Plätze von 20.000 deutschen Top-Keywords (nach Suchvolumen lt. Searchmetrics Suite) analysiert. Ergebnis: Wir können diese These auch für den deutschen Index  bestätigen – sind aber noch auf andere spannende Zusammenhänge gestoßen.

Doch zunächst ein Blick auf den grundsätzlichen Zusammenhang zwischen Facebook-Aktivitäten und Google-Ranking:

facebook-google

Auf der X-Achse unten stehen die Positionen der Keywords und die Y-Achse zeigt die Facebook-Aktivitäten in Prozent. Nicht zu übersehen: Die Korrelation zwischen beiden ist nicht nur vorhanden sondern sehr deutlich. Zur Info: Gäbe es keinen Zusammenhang, sähen wir eine horizontale Linie. Doch diese fällt nicht nur zu den weiter hinten liegenden Positionen ab: Während fast alle Spitzenpositionen einen Share oder einen Like haben, sind das bei Position 10 fast nur noch 50 %! Steiler nach unten geht es nur noch im zu erwartenden Traffic bei den Google-Positionen nach unten…

Wenn wir weiter in die Zahlen hinein zoomen, finden wir deutliche Unterschiede der Korrelationen in Bezug auf die verschiedenen Beteiligungsmöglichkeiten auf Facebook: Mit 93 % liegen die Shares bei den Top-1-Positionen (roter Pfeil) weit vor den Likes und Comments (gelbe Pfeile, beide etwa 78 %):

facebook-tabelle

Interessantes Detail: Fast alle Seiten mit Likes und/oder Comment hatten auch einen Share auf Platz ein, dies ändert sich mit den abfallenden Positionen.

Vor allem im Shorttail wird „geliked“

Doch das ist noch nicht alles: Denn der Zusammenhang ist nicht immer gleich eindeutig. Wie im Bild oben zu sehen ist, verhalten sich die Kurven der Top-100-, Top-1000- bis hin zu den Top-20.000-Keywords auch unterschiedlich. Die Volantilität der Top-100-Kurve liegt an den untersuchten Keywords. Da in den Top100 größtenteils Brand Keywords und Keywords wie „Auto“ oder „iPhone“ vorkommen, ranken häufig Homepages auf den vorderen Plätzen und etwas weiter hinten die internationalen Pendants. Diese haben natürlich auch ne Menge Shares. Beispiel ist: Lady Gaga. Dort rankt die .DE Seite auf 1 und die US Seite auf 5, die ebenso ne Menge Shares hat. Oder auch bei „Disney“ findet man die deutsche Seite auf 1 und die US Seite(n) weiter hinten. Weitere Beispiele gibt es genügend.

Aber es ist auch nicht zu übersehen, dass die Facebook-Beteiligungen mit der „Größe“ der Keywords abnehmen. Anders gesagt: Je weiter wir in den Longtail gehen, umso weniger Shares, Likes und Comments sind dort zu finden. Allerdings finden sich im Shorttail auch deutlich mehr Startseiten als Unterseiten. Wir können also auch sagen, dass die Facebook-User gerne Startseiten als Unterseiten sharen. In der Summe aller Unterseiten relativiert sich das, aber dass es so deutlich ist, ist doch eher eine Überraschung.

Fleißige Facebook-User

Überraschend ist übrigens auch das Niveau der Zahlen: Trotz seiner wirklich sehr hohen Marktdurchdringung kann man nun wirklich nicht sagen, dass auf jeder wirklich starken Webseite ein Share-Button vorhanden ist. Nicht nur auf Wikipedia fehlen alle Verweise auf Facebook und etwa bei Spiegel Online gibt es diese nur auf den Beiträgen, nichtaber auf der Home. Bei einem Beteiligungs-Anteil von 93 % bedeutet das folglich, dass – zumindest in den Top-Ergebnissen – viele User auch ohne Button-Unterstützung die Seiten geshared und geliked haben. Das spricht zunächst einmal für das Engagement der Facebook-User.

Facebook Korrelation vs. Rankingfaktor: diese Frage bleibt offen

Doch ein derart deutliches Ergebnis in der Nähe von 100 Prozent könnte auch ein Indiz dafür sein, dass wir hier nicht nur eine Korrelation beobachten – sondern einen Google-Ranking-Faktor sehen. Dieser Punkt wird heiß diskutiert: Ist der Zusammenhang zwischen gutem Ranking und vielen Facebook-Shares lediglich eine Korrelation von Zahlen? Verwendet Google die Facebook-Signale schon als Teil des Algorithmus? Oder haben die Seiten mit besseren Rankings einfach mehr Shares weil sie sichtbarer sind?

Ich war letzte Woche auf der SMX in Seattle und Matt Cutts hat dort in der Podiumsdiskussion auf die Frage zu den Korrelationsdaten von SEOmoz gesagt, Facebook lasse Google nicht an ihre Daten, also warum sollten die Shares oder andere Facebook Daten als Rankingfaktor genutzt werden. Eine schwammige Aussage wie immer, die genügend Raum für Interpretationen offen lässt. Meine Meinung ist, dass Google an viele Daten rankommt ohne einen besonderen Deal mit Facebook zu haben. Nicht nur der hohe Verbreitungsgrad der Google Toolbar bzw. dem fast 10%igen Marktanteil von Chrome dürften für genügend Informationen zur Facebook Nutzung sorgen.

Doch das ist eine an sich müßige Diskussion. Denn allen ist völlig klar, dass die Suchmaschinen (richtigerweise) das Userverhalten ins Ranking einfließen lassen möchten. Und dazu gehören auch die Shares, die Likes und die Comments auf Facebook. Es sollte aber auch allen Online-Marketern klar sein, dass dies, wenn überhaupt, nur ein Faktor unter sehr vielen ist. Und es gilt im SEO wie im richtigen Leben: Man sollte wegen Facebook nicht den Rest der Welt vergessen ;-)

Ihr könnt euch die Daten in der Excel selbst anschauen. Dort habe ich auch 5 größere Charts die ihr gerne verwenden dürft und wenn ihr das macht, dann werdet doch gleichzeitig Fan auf unserer Facebook Page. » Download der Excel mit den Facebook Daten.

Übrigens sind eure Meinungen zu dem Thema willkommen. :)