„OK Google“ jetzt auf Deutsch: Was sagen Online-Experten zu Google Home und Voice Search?

Ab jetzt ist Googles sprachgesteuerter Lautsprecher mit Google Assistant auch auf Deutsch erhältlich. Wir haben Experten dazu befragt, wie sie diese Entwicklung für die Branche und die beteiligten Marktteilnehmer einschätzen.

GoogleHome-Umfrage-blog

Wir haben uns umgehört, was Google Home potenziell für die Branche – und natürlich insbesondere im Vergleich zu bereits auf dem Markt erhältlichen Smart Speaker bzw. Sprachassistenzsystemen wie Amazon Echo oder zukünftig Apples HomePod etc. für Voice Search, Suchverhalten und Suchergebnisse/ Rankings sowie Performance – bedeutet.

Ebenfalls haben wir Google Home zum Start einem ausführlichen SEO-Test unterzogen – die Analyse zu den Voice-Search-Ergebnissen lest ihr hier:

Google Home im Test

Google bietet das Gerät in Deutschland zu einem Startpreis von 149,00€ an.

Screenshot-GoogleHome

Hier findet man eine Übersicht über die Funktionen des Geräts und weitere Informationen: madeby.google.com/home/

„OK Google“ – Wie sieht die Zukunft aus?

Für uns standen bei der Umfrage folgende Fragen im Vordergrund: Von „Desktop first“ über „Mobile first“ zu „Voice first“? Wie lässt sich die Bedeutung von Voice Search in die Entwicklung von Google und der Online-Suche allgemein einordnen? Spielerei oder smarte Suche? Welche Erfahrungen gibt es bereits mit den Ergebnissen von Smart Speakers? Google Home ist ab jetzt auch in deutscher Sprache möglich und hierzulande erhältlich. Sind unsere Experten early adopter?

Und das sagen die von uns befragten Experten dazu:

Expertenmeinungen aus der Branche zum Thema Voice Search/ Google Home

Christoph Burseg

Geschäftsführer, Veescore

Christoph-BursegJe nach Zeithorizont wird Voice Search natürlich ‚irgendwann‘ die Suche dominieren. In den nächsten 18 Monaten wird die Mehrheit sich auf wenige UseCases konzentrieren: Öffnungszeiten, Navigation, Wetter, Musik und ähnliches. Das wird also sofort hochspannend für Unternehmungen in diesen Nischen – wer aber einen Kreditvergleich oder eine Immobilienseite betreibt, wird erst einmal nicht viel merken.

Was meine Erfahrungen angeht, habe ich ehrlich gesagt eine Erfolgsquote unter 50% bei Voice Commandos: Künstler oder Songs werden nicht verstanden oder gefunden, falsche Playlisten gestartet. Das Licht geht nicht an oder aus und die Sonos Lautsprecher brauchen erst das nächste Update. Es macht Spaß – aber nur kleines Set meiner UseCases kann jetzt schon zufriedenstellend per Voice ausgeführt werden. Und wenn man 5x Kommandos hintereinander aussprechen muss würde ich lieber kurz zur Maus greifen und schnell 3 Buttons klicken und 2 Wörter tippen. Das ist heute – und wird sich in 12 Monaten sicher anders anfühlen. Aber nicht in 2 Monaten.

Mein Setup ist Alexa – die hatte ich früh und die arbeitet auch mit allem zusammen, was ich zuhause habe. Ich habe keine Erfahrungen mit Google Home aber meine Alexa Erfahrungen sagen mir: Ich warte und entscheide bei der nächsten Generation der Smart Speakers neu für mich.

 

Sepita Ansari Pir Seraei

Gründer und Geschäftsführer, Catbird Seat

Sepita-AnsariIch finde den Begriff „Voice Search“ irreführend, da der Fortschritt nicht die Sprachsuche ist, sondern der persönliche Assistent, der auch als ausführende Instanz nicht nur Informationen liefert, sondern auch (Trans-) Aktionen (Steuerung von Smart-Home Anwendungen, Bestellungen, Buchungen, usw.) durchführt. In der Entwicklung von Google ist der „persönliche Assistent“ insbesondere im Wettbewerb zu Alexa, Siri, Cortana und Bixby von höchster Bedeutung, da die klassische „Online-Suche“ von Informationen sich bereits verändert hat und Google diesen wichtigsten Markt nicht an die Wettbewerber verlieren möchte.

 

Pascal Fantou

Consultant und Coach, q48.de

Pascal-FantouIch glaube, dass uns hier ein Paradigmen-Wechsel bevorteht. Insbesondere, wenn man Google als einzige Referenz für Suche sieht. Meiner Meinung nach hat Google das Thema mobile ziemlich verschlafen und ich weiss nicht, ob es ihnen bei Voice besser gehen wird. Das Problem ist, dass die Suche persönlicher wird, also sozialer. In dem Bereich hat Google mit Google+ und – hieß es „spaces„? – oder den x Variationen von Messengern über Gtalk, Hangout etc. immer deutlich gemacht, dass sie eine technokratische Firma sind.

Anderes Beispiel: Wie heissen die digitalen Assistenten: – Siri – Cortana – M – Alexa – Ok Google? really? Voice Search ist kein Schlitz, über den wir eine Eingabe machen, sondern ein „conversational interface“. Jemand hat mir mal erzählt, dass wir die nächste Evolution von Voice Interfaces dann erleben, wenn wir vernünftige Rückfragen bekommen, analog einem Geschäft, wo der Verkäufer mich nicht fragt: Was wollen Sie hier? Sondern mich leitet in dem er fragt: Möchten sie ein Hemd oder einen von unseren Anzügen, die gerade im Angebot sind?

Voice bedeutet meines Erachtens vor allem situationsbedingte Suche: Ich steige ins Auto und sage: – Zeig mir die Route zu meinem nächsten Meeting? – Kann ich unterwegs tanken? – Sag Mike, ich komme 10 Minuten später – Erinnere mich, auf dem Rückweg daran, Blumen mitzubringen Oder: – Nach dem Flug nach Berlin morgen würde ich gerne mit Marcus und Malte oder jemand anderem von Searchmetrics Abendessen — Steak oder Burger? – Mit Marcus immer Steak — Ok, gebucht und Termin Anfrage ist raus. – Wir sind morgen beim Termin mit Searchmetrics doch zu acht, gibt es dort einen anderen Raum mit Beamer? – Hab meine Hose zerrissen, schick mir eine neue ins Hotel — Wieder in schwarz? – Nein, so wie die vorletzte — Wird im Hotel auf dein Zimmer gebracht.

Es gibt bei Google hervorragende Leute, die sich damit auseinandersetzen. Ich habe einen tollen Talk von Hector Ouilhet (Head of Design/Google Search, Google) auf der SXSW gesehen, bei dem er die Challenge erzählt hat, wie eine Reise zu dieser Konferenz über voice interfaces gebucht werden könnte. Er schloss den Vortrag mit dem Beispiel: „Und wenn Sie mich nächstes Jahr hören wollen, möchte ich meinem virtual Assistenten nur sagen: So wie letztes Jahr“

Ich glaube, Smart Speaker sind nach den Set-Top Boxen der nächste Versuch, den Krieg um das Wohnzimmer zu gewinnen. Dabei geht es nur zum Teil um Voice Search, sondern auch um jede Menge Sensoren, die mit der Zeit dazu kommen werden. Heute kann man schon als W-LAN-Router sagen, ob jemand zuhause ist. Für ein Amazon wäre das doch praktisch, wenn sie dem DHL sagen könnten: Da ist jetzt jemand zu Hause und mir: Deine Lieferung ist in 20 Minuten da. Ich habe für Echo schon ein paar Skills programmiert und teste da einiges, unter anderem baue ich gerade an einer Monetarisierungsplattform für Bots und Skills.

Anschauen werde ich mir die Plattform sicher, wetten würde ich zur Zeit allerdings eher auf Amazon.

 

Matthäus Michalik

Senior Consultant, Performics

Matthäus-MichalikNutzungszahlen zeigen, dass Voice Search nicht nur ein vorübergehender Hype ist. Laut ComScore soll die Sprachsuche bis 2020 bei 50% liegen. Aktuell werden 20% der mobilen Suchanfragen per Sprache getätigt und es ist davon auszugehen, dass die Nutzung durch smarte Lautsprecher weiter steigt. Dennoch wird die Sprachsuche weder Desktop noch Mobile komplett ersetzen, sondern stellt lediglich ein zusätzliches mögliches Interface für Nutzer dar. Je nach Situation wird eine der drei Möglichkeiten genutzt – in den eigenen vier Wänden wird es in Zukunft wahrscheinlich der smarte Lautsprecher sein. Aufgrund der zunehmenden Integration von Featured Snippets in den Suchergebnissen wird auch Voice Search für Online-Marketer immer wichtiger, denn bei der Sprachsuche wird das Featured Snippet als einzige Antwort von Google vorgelesen.

Ich nutze meinen smarten Lautsprecher eher für triviale Anfragen und Aufgaben wie Timer stellen, Wetter checken, Taxi bestellen oder Radio hören. Komplexere Suchen führe ich weiter auf Notebook oder Smartphone aus, da ich mir die Auswahl der Suchergebnisse nicht nehmen lassen will. Klare Vorteile von Google im Vergleich zu Amazon sind der gute Suchalgorithmus und die Datenvielfalt, z.B. im Knowledge Graph, die Google über die Jahre gesammelt hat.

Google muss einiges aufholen, um Amazon den Platz auf dem Markt für smarte Lautsprecher streitig zu machen. Als First Mover hat Amazon über 70% Marktanteil, und so ist auch bei mir im Wohnzimmer ein Amazon Echo im Einsatz. Da ein zusätzlicher Lautsprecher in einem Raum keinen Sinn ergibt, stellt sich für Interessierte die Frage: Amazon Echo oder Google Home? Das Betreiben beider Lautsprecher ist eher eine Spielerei für Nerds.

 

Karl Kratz

Autor, Keynote-Speaker und Onlinemarketing-Experte, karlkratz.de

karl-kratz-neuDie Art und Anwendung von „Geräten“ (Devices) verändert sich dauernd und sehr schnell: Wenn wir uns bewusst machen, dass es die uns heute bekannten Smartphones erst seit 2007 gibt, wird uns klar, dass jederzeit eine neue Technologie um die Ecke kommen kann und sich weltweit ausbreitet. Immer mehr Geräte besitzen keine Tastatur und/oder keine Anzeigemöglichkeit („Display“). Gleichzeitig ist die Sprache und das Hören eines der natürlichsten und fast überall verfügbaren Interfaces – es ist durchaus sehr naheliegend, dass sich Menschen immer weiter dahin entwickeln, Geräte über Sprachbefehle zu steuern bzw. mit ihnen zu interagieren.

Natürlich gibt es viele Menschen, die es sich nicht im Traum vorstellen können, per „Voice first“ mit einem Gerät zu interagieren. Das ist ganz normal: Mit der Erfindung der Maus 1970 ergab sich ein ähnlicher Widerstand – heute ist es für jeden normal. Wir sollten uns beim Thema „Voice Search“ & Co. ohnehin weniger an Menschen orientieren, für die diese Methode nicht in Frage kommt, sondern eher an Menschen, für die das bereits ganz normal ist.

Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass wir eine langsame, aber stetige Verschiebung der konventionellen Suche per Tastatur und Display hin zur Sprachsuche bei gleichzeitiger Audio- / visuellen Ausgabe erleben werden. Mit der steigenden Entwicklung und der damit einhergehenden Akzeptanz wird es vermutlich auch zu spannenden Verschiebungen in den herkömmlichen Suchmaschinen kommen: Microsoft Cortana nutzt als Datenbasis BING. Apples SIRI greift auf BING zu. VIV: Nutzt Bing. Amazons Echo „Alexa“: Nutzt standardmäßig BING. Nur Google Home nutzt Google.

Die digitale Zukunft gehört zweifelsohne der Mensch-Maschine-Konversation. Und dieses Kind lernt gerade laufen: So wie sich die Nutzung von Desktop zum Smartphone verschiebt, verschiebt sich die Tastatur-Display-orienterte Nutzung hin zur Audio-visuellen Nutzung.

 

David Radicke

Selbstständiger Berater, radicke.com

David-RadickeBis „Voice First“ dauert es noch ein paar Jahre. Bisher sind die Systeme noch zu schwach und zu „dumm“. Das heißt, momentan sind die Systeme noch viel Spielerei und wenig „smart“. Alexa eignet sich bisher am Besten als sprachgesteuertes Küchenradio mit Spotify-Anschluss. Ich werde mir Google Home in nächster Zeit nicht zulegen, die Hardware ist mir einfach noch zu teuer.

 

Björn Beth

Director of Professional Services EMEA, Searchmetrics

Björn-BethIch glaube nicht, dass Voice Search in den nächsten 5 Jahren ein „Voice First Status“ erreichen wird. Dafür ist Voice Search noch zu sehr in den Kinderschuhen und ersetzt die Recherche bei komplexen Themen nicht. Lokalbasierte Suchanfragen, Uebersetzungen, Navigation und informationsbasierte Anfragen, die schnell beantwortet werden können, wie z.B. Definitionen, Anleitungen, Flug- und Weginformationen werden sicher über kurz oder lang Voice Search dominieren. Bei komplexeren Recherchen zu Themen, z.B. bei Gesundheitsthemen, Recherche für den nächsten Urlaub etc. wird nach wie vor Mobile und Desktop eine Rolle spielen.

Bisher habe ich nur die intensive Erfahrung mit SIRI und Amazon Alexa gemacht. Siri ist ebenfalls für schnelle Antworten und Weg bzw. Ortsinformationen ok, ist bei komplexeren Anfragen aber limitiert. Ich selber habe ein Amazon Alexa zuhause, welches durch die Verwendung von Skills einen grossen Vorteil bietet, da es Dienste anbieten kann, die auf den Dienst spezialisiert sind. Beispiel: Ich habe den Skill der deutschen Bahn und kann nach der nächsten Zugverbindung von Berlin nach Hamburg fragen und bekomme exakte Abfahrtsdaten inkl. Gleis und Uhrzeit.

Es ist mein Job mich damit auseinanderzusetzen, also bin ich ein Early Adopter, ja 🙂

 

Malte Landwehr

Senior Product Marketing Manager, Searchmetrics

maltelandwehrIch gehe davon aus, dass Dienste wie Google Home, Alexa und Siri des Suchverhalten grundlegend ändern werden. Bei Voice Search erwarten Kunden eine eindeutige Antwort statt 10 blauer Links. Damit verliert ein Großteil aller Websites ihren organischen Traffic. Insbesondere werbefinanzierte Geschäftsmodelle werden langfristig nicht mehr funktionieren.

Ich nutze keinen Smart-Speaker. Allerdings spreche ich täglich mit meinem Handy um Timer und Wecker zu stellen, Erinnerung einzuspeichern, Texte zu diktieren oder zu fragen, wie das Wetter wird.

Zu den early adoptern gehöre ich nicht, denn ich möchte mich nicht 24/7 von Google abhören lassen.

 

Twitter-Umfrage: Wie wichtig wird Voice Search?

[Update:] Wir hatten zum Release dieses Posts eine eigene kleine Twitter-Umfrage zum Thema gestartet. Über eure Teilnahme haben wir uns gefreut! Das Ergebnis:

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Hi! Ich bin Daniel, Head of Content Marketing hier bei Searchmetrics. Als Bindeglied zwischen Data Science, SEO, Grafik und Marketing bin ich verantwortlich für die Konzeption, strategische Ausrichtung und Erstellung unserer Inhalte wie Analysen, PR, Studien, Whitepaper und Social Media etc.
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