Google „User Localization Update“: Was Experten jetzt raten!

13. November 2017 | SEO Neuigkeiten Keine Kommentare

Vor kurzem hat Google mit dem „User Localization Update“ der lokalen Suche noch mehr Relevanz verliehen. Unabhängig von der eingegebenen Top-Level Domain (etwa Google.de/ Google.com) mit der bis zuletzt ohne größere Umwege nach Bedarf der Aufruf von Inhalten aus anderen lokalen/nationalen Index möglich war, werden Nutzern jetzt per default auf der jeweiligen physischen Location basierende Suchergebnisse ausgespielt. Was das für die Suche und die Branche bedeutet, haben wir einige Experten aus der Branche gefragt.

Google User Localization Update - Searchmetrics Blog

Google möchte nach eigener Aussage den Nutzern für die spezifische Suchanfrage stets die relevantesten Suchergebnisse anzeigen. Da „local search“ immer wichtiger wird, erscheint der aktuelle Schritt als logisch, aber was bedeutet das konkret?

„Suchergebnisse werden lokaler und damit relevanter“ (Google)

Ende Oktober 2017 hat Google in einem Blogpost kommuniziert, die Suchergebnisse lokaler und damit relevanter machen zu wollen, indem ab jetzt der physische Standort des Nutzers prinzipiell die lokale Ausrichtung der SERPs determiniert.

Es ist also nicht mehr ohne Weiteres (Ausnahme mögen zum Beispiel Proxyserver bleiben) möglich, durch die manuelle Eingabe der „Top-Level Domain“ (ccTLD)- also dem länderspezifischen Parameter hinter dem Domainnamen (wie .de. .com oder co.uk), die Ergebnisse anderer Indexe von einem anderen Standort aus abzurufen.

Im unteren Bereich der SERP wird die Location des Users eingeblendet, so wie hier etwa:

Diese Änderung betrifft das mobile Web, die Google App für iOS sowie Desktop Search und Google Maps. Präferenzen sollen laut Google jedoch auch weiterhin in den Settings angepasst werden können.

Wir haben unseren und das sagen die Experten zu dem Update diese Fragen gestellt:

  1. Abwarten oder Anpassen – Hast du einen Tipp zur Optimierung für Localized Search?
  2. In welcher Weise beeinflusst das Update deine gegenwärtige mobile SEO und Content Strategie?
  3. Ist Context jetzt offiziell „King“? Wie interpretierst du die Aussagekraft des User Localization Updates im Hinblick auf die langfristige Entwicklung von Google?

…und folgende Antworten erhalten:

Expertenmeinungen zum „User Localization Update“ aus der Branche

Philipp Klöckner

Co-Founder & CMO, Trade Machines FI GmbH

Für 99% der Webseiten-Betreiber sehe ich keinen Handlungsbedarf. Für flächendeckende und globale Portale wird es mittelfristig sicherlich zunehmend schwerer, bei lokalen Suchen noch aufzutauchen, das ist ja aber so gewollt, weil lokale Ergebnisse oft relevanter für den Nutzer sind.

Content musste schon immer auch im lokalen und zeitlichen Context relevant sein. Ich denke das Update bestätigt eher aktuelle Best Practices als das es einen Strategiewechsel einleitet.

Die Mehrheit der Suchen führen wir mobil aus, Trend steigend. Das heißt auch wir entdecken immer mehr der „Real World“ Umgebung via Smartphone. Gute Antworten kann daher nur eine lokalizierte Suchmaschine liefern. Wenn ich „Wetter“ suche, interessiert mich natürlich nicht die Deutschlandwetterkarte, oder die an meinem Heimatort, sondern das lokale Wetter.

Mit der Ablösung der Domain-Logik reduziert Google die Komplexität des Produktes um eine Dimension. Damit wird auch lokales Targeting in AdWords einfacher, aber nicht zwangsläufig besser oder günstiger. Die im Ausland befindliche Target-Audience lässt sich schlechter erreichen, im Inland befindliche Ausländer lassen sich schlechter diskriminieren. Damit wird aus Google-Sicht das Werbe-Inventar erst einmal besser ausgelastet.

Zudem wird es einfacher für Google auf die verschiedenen lokalen rechtlichen Erfordernisse (Right to be Forgotten, EU Shopping Case, Kanada, Russland, Indien) zu reagieren, welche sicherlich in zukunft durch Antitrust und Regulierung zunehmen werden. Lokale Ergebnisse heißt nicht zuletzt auch, dass unabhängig von der gewählten Google Domain der nationale rechtliche Rahmen beachtet werden kann.

 

Dominik Schwarz

VP, Marketing & Communications, Hometogo

Der Tod der URL als ein für den User sichtbarer Bestandteil des Internets ist nicht aufzuhalten.

Bis zu einem gewissen Maß trifft das auch auf Domains zu. Für Google findet ein nicht unerheblicher Anteil an Nutzereinstiegen sowieso nicht über URL-type-ins sondern über Browser-Suchschlitze und Ähnliches statt.

Die TLD als Indikator für den erwarteten Content/Kontext überflüssig zu machen ist da nur konsequent.

 

 

Stefan Rabsch

Senior SEO Manager, AutoScout24

Diese Google-Änderung sollte natürlich nochmal den Anstoß geben, seine Local-Strategie zu überprüfen. Ich denke z.B. an eine gute hreflang-Implementierung, schema.org Markups oder auch an die regionale Ausrichtung in der Google Search Console für neutrale TLDs. Zudem ist es sicher sinnvoll nochmal einen Blick auf sein internationales Backlink-Profil zu werfen.

Lokale Suchanfragen und die passenden Zielseiten dafür sind schon immer wichtig gewesen, daher gibt es für mich mit dem neuen Update auch keinen großen Shift in der gesetzten Mobile SEO und Content-Strategie.

Relevanz ist „King“ meines Erachtens. Und da spielt natürlich die lokale Komponente eine große Rolle, z.B. wenn ich nach Restaurants, Hotels oder Immobilien suche. Die Google ccTLD ist nur ein Faktor, um zu bestimmen, woher der Suchende kommt bzw. wo er/sie sich gerade aufhält. Hier gibt es inzwischen genauere Techniken diesen Ort zu bestimmen und die Suchergebnisse entsprechend anzupassen. Für mich zeigt auch dieses Update immer mehr in Richtung personalisierter, auf den einzelnen Nutzer zugeschnittene Suchergebnisse.

 

Marcus Pentzek

Teamlead SEO, United Digital Group

Das Google Update einem User den Content passend zum Land zu zeigen, in dem er sich befindet statt passend zu der Google-TLD die er aufruft ist mich zunächst keine große Änderung. Ein Großteil der deutschen Nutzer wird Google.de für ihre Suchanfragen nutzen wie ein Großteil der österreichischen Nutzer Google.at zur Suche nutzen wird.

Einen Unterschied macht dieses Update eher für den schmalen Prozentsatz an Menschen, die aus einem Land heraus (z.B. aus Deutschland) die Suchergebnisse eines anderen Landes (z.B. aus Großbritannien) sehen möchten. Die Gründe für diese Menschen mögen unterschiedlich sein. Zum einen gibt es Onlinemarketer wie wir, die den jeweiligen Suchmarkt betrachten möchten. Zum anderen die in Deutschland ansässigen Briten, die gezielt für englische Suchanfragen die britischen Suchergebnisse sehen möchten und nicht deutsche Webseiten, die diese Begriffe verwenden.

Für diese zwei Usergruppen wird das Update zu einer Herausforderung, die aber die Art und Weise der Suchmaschinenoptimierung für localized Search nicht ändert. Anpassen müssen sich eher die Google-User, die dennoch lokalisierte Suchergebnisse bekommen möchten, die nicht zu dem Land gehören, in dem sie sich befinden.

Tipp für diese User: in der Googlesuch-URL den GET-Parameter cr setzen. Beispiele:

  • https://www.google.de/search?q=seo&source=lnt&cr=countryAU&hl=en (Australien)
  • https://www.google.de/search?q=seo&source=lnt&cr=countryAT&hl=de (Österreich)
  • https://www.google.de/search?q=seo&source=lnt&cr=countryGB&hl=en (England)

Nur über den GET-Parameter gesteuert scheinen die Ergebnisse aber auch nicht den in den jeweiligen Ländern direkt gelieferten zu entsprechend. Dennoch ist es zumindest für den „Briten in Deutschland“ eine Möglichkeit mindestens passende Suchergebnisse zu bekommen (wenn auch nicht die identischen, wie der Cousin, der von London aus googelt). Also eine Lösung für normale User, keine Lösung für SEOs oder Toolanbieter ;-).

Ich denke die Herausforderung werden hier Toolanbieter für Rankingposition auf Google in verschiedenen Suchmärkten haben, falls sie nicht für jedes zu prüfende Land eine passende Crawling-Location haben. Meine International SEO Strategien bezüglich sowohl bei rein Multi-Language als auch bei Multi-Country-Ausrichtung wird dies nicht beeinflussen.

Hreflang-Einsatz, GEO-Lokalisierung via Google Search Console und lokalisierte Inhalte (amerikanisches Englisch für die USA, britisches Englisch für UK, regional unterschiedliche Begriffe in den jeweiligen Märkten) und passende Trigger, um dem User (und Google) zu zeigen welcher Markt für diese Website relevant ist (z.B. Adresse und lokale Telefonnummer im Footer) bleiben die Best Practices für eine internationale SEO Strategie – auch nach dem Update.

Aber ein schönes Schmankerl für mich als China-SEO – und Autor der „Postkarte aus China-Reihe in diesem Blog –  ist die Möglichkeit sich nun anzusehen, wie denn die Suchergebnisse in China aussehen würden, wenn Google in China liefern dürfte (alle von mir per Hand getesteten Google-Such-Instanzen sind derzeit in Peking und Tianjin geblockt – früher konnte man z.B. google.de durchaus nutzen während google.com gesperrt war).

Das würde Google für die Suche nach „seo“ in China ausspielen, wenn sie könnten:

  • https://www.google.de/search?q=seo&source=lnt&cr=countryCN&hl=zh

Context wird immer mehr zum „King“ werden. Mit dem Schritt die Suchergebnis-Ausrichtung nicht mehr über die ccTLD der Google-Instanz zu steuern, sondern basierend auf der Location an der sich der User befindet (sofern er nicht eine andere Location „erzwingt“), vereinfachen sie das interne Handling von Suchanfragen (ein Parameter TLD weniger zu berücksichtigen) und können sich mehr auf kommende Schritte der Personalisierung von SERPs stürzen.

Welche Arten von Websites bevorzugt der User selbst – eher viel/wenig Content, viele/wenige Bilder, eher einfache oder komplexe Sprache? Aber das ist sicherlich noch Zukunftsmusik (sehr daten- und rechenintensiv). Die ersten Schritte werden sicherlich eher in Richtung von generelleren Personas gehen. Zum Beispiel ob Google klare Muster oder mindestens Tendenzen erkennen kann zwischen Usern in Süddeutschland, Norddeutschland, NRW oder BW, Köln oder Mainz, ….

Die Entwicklung ist aber klar: kenne deine Zielgruppe und baue den richtigen Content für exakt deine Zielgruppe (nicht nur für dein „Keyword“).

 

Malte Landwehr

Senior Product Marketing Manager, Searchmetrics

maltelandwehrIch denke: Erst enmal abwarten. Für SEOs ändert sich nichts. Lediglich das Tracking von Rankings wird schwieriger. Diese Änderung hat in meinen Augen nichts mit Content zu tun. Es ändert sich ja nichts in der Bewertung von Websites.

Grundsätzlich ist Content aber natürlich King. Und wenn wir schon am Phrasen dreschen sind, möchte ich ergänzen, dass Context Queen ist. Damit ergibt sich „Relevanz“ als Königreich. Denn der Schlüssel für Erfolg bei Google ist, den Inhalt in eine Form zu gießen, die auf den spezifischen Bedarf der Zielgruppe abgestimmt ist. Dabei sind neben der Nutzerintention auch die Position im Sales-Funnel, das Device und weitere Merkmale relevant. Das finale Ergebnis kann dann ein Video oder eine Infografik sein. Von der Denkweise Content=Text müssen sich insbesondere SEOs im Jahr 2017 endlich lösen!

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Hi! Ich bin Daniel und leite das Marketing-Team für EMEA hier bei Searchmetrics. In dieser Funktion, und damit auch als internes Bindeglied zu anderen Abteilungen wie Produkt, Sales, Consulting, Data Science und Grafik, bin ich verantwortlich für die Konzeption sowie strategische Ausrichtung unserer Marketingaktivitäten.
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