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Google Shopping wird kostenlos: 3 Gründe, warum Google jetzt Ads verschenkt

Spannende Bewegung im SEA-Sektor: Google macht seine Shopping-Anzeigen teilweise kostenlos. Laut der Ankündigung von Bill Ready, Chef von Google Commerce, sollen kostenlose Produkt-Listings bereits ab Ende April in den US-Suchergebnissen erscheinen und bis Ende 2020 global ausgerollt sein. Hintergrund der kostenlosen Shopping-Anzeigen dürfte neben dem Google-Argument des anwachsenden E-Commerce-Sektors in der Corona-Krise auch ein Angriff auf die Vormachtstellung von Amazon und Ebay im Bereich Online-Marktplätze und Produktsuchen sein. Hintergründe, Infos und Einschätzungen zu den kostenlosen Google-Shopping-Anzeigen lest ihr in diesem Artikel.

Kennt ihr unsere aktuelle Studie zu Google Shopping? Wir haben vor einigen Monaten die Marktanteile und wichtigsten Advertiser für Deutschland, England und Frankreich ermittelt – jetzt kostenlos downloaden:

Zur Google-Shopping-Studie

Kostenlose Shopping-Anzeigen: Einschätzung von Malte Landwehr

„Hinter der Ankündigung für kostenlose Shopping-Anzeigen steckt das Eingeständnis von Google, nicht die erste Anlaufstelle für Online-Nutzer zu sein, wenn es um Produktsuchen sowie einen Online-Marktplatz geht. Hier sind Amazon und Ebay weltweit besser, in den USA muss Google mit Größen wie Walmart oder Nischen-Marktplätzen wie Etsy konkurrieren. Dabei zeigt sich in der Corona-Krise, dass Menschen verstärkt online kaufen, weil Geschäfte geschlossen sind. Google will also mit kostenlosen Shopping-Anzeigen seinen Marktanteil bei Produktsuchen vergrößern – so, wie der Konzern es im Bereich der Stellenanzeigen mit Google Jobs geschafft hat. Zudem ist etwa die Zahl der teilnehmenden Händler für Google eine härtere Business-KPI, als es etwa Fortschritte im Bereich des Natural Language Processings sind.“ Malte Landwehr, VP Product bei Searchmetrics

Wie begründet Google die kostenlosen Shopping-Anzeigen?

Die Ankündigung kam überraschend: Per Blogpost verkündete der Google-Commerce-Chef Bill Ready am 21. April 2020, dass Google Shopping in Teilen kostenfrei werden solle. Die Änderungen gelten zunächst nur für die US-Suchergebnisse und sollen bereits ab Ende April greifen. Ein globaler Rollout sei bis Ende 2020 geplant, so die Ankündigung.

Begründet werden die kostenfreien Shopping-Anzeigen – wie könnte es in diesen Tagen anders sein – mit dem Coronavirus. Die Zahlen der produktbezogenen Google-Suchanfragen seien deutlich gestiegen – für essenzielle Güter, aber auch für Spielzeuge, Mode oder Haushaltswaren. Doch viele Retailer seien angesichts geschlossener Geschäfte auf den Online-Vertriebsweg angewiesen und könnten dank der kostenlosen Shopping-Anzeigen nun deutlich besser ihre Kunden erreichen.

Werden alle Shopping-Anzeigen kostenlos?

  • Nein, es wird weiterhin auch bezahlte Product Listing Ads geben. Allerdings ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar, welche Platzierung und welchen Anteil an allen Shopping-Ads die kostenlosen PLAs haben werden.
  • Wahrscheinlich ist, dass Google kostenlose Product Listing Ads vor allem dann anzeigt, wenn es wenig Konkurrenz, also aktive SEA-Kampagnen für eine bestimmte Keyword-Gruppe gibt. Zudem werden die kostenlosen PLAs vermutlich nicht im direkt sichtbaren Bereich platziert: Hier sind lediglich fünf PLAs zu sehen; für weitere Produkt-Listings muss der Nutzer erst scrollen.
  • Retailer, die weiterhin eine hohe Visibility in den Shopping-Boxen erreichen wollen, müssen also vermutlich auch weiterhin dafür zahlen – ähnlich wie bei Amazon, wo die Top-Listings auf einer Produkt-Suchergebnisseite ebenfalls Paid Ads sind.

Was bedeutet ein kostenloses Google Shopping im SEA?

Kostenlose Shopping-Anzeigen machen es Händlern im E-Commerce nun deutlich einfacher und günstiger, neue Kunden-Kontakte aufzubauen. Für alle Online Marketer, die im SEA unterwegs sind, bedeutet die Google-Öffnung für kostenlose Product Listing Ads also ein deutlich günstigere Möglichkeit, Produkte in den Shopping-Boxen zu platzieren und damit Traffic von potenziellen Käufern zu generieren.

Wer bisher bereits Google-Shopping-Werbekampagnen zu laufen hat und daher im Google Merchant Center ein aktives Konto hat, muss laut Google nichts weiter tun, um die Vorteile der kostenlosen Listings in Anspruch nehmen zu können. Und für neue Händler will Google den Onboarding-Prozess in den kommenden Wochen und Monaten entsprechend anpassen.

Was hat Google davon, Shopping-Anzeigen kostenlos zu machen?

  1. Covid-19 wird E-Commerce nachhaltig beschleunigen – und Google will dabei sein: Die Öffnung von Shopping für kostenlose Listings versetzt Google in die Lage, mehr Retailer und Produkte in den Shopping-Ergebnissen zu listen. Und mehr angemeldete Retailer im Merchant Center bedeute auch einen höheren Marktanteil für Google. Zudem sind die Retailer, die kostenlose Anzeigen über Google Shopping schalten, auch für Google potenzielle Kunden; nämlich dann, wenn sie doch einmal Paid Ads schalten, weil die Visibility der bezahlten PLAs höher sein wird als die der kostenlosen Listings.
  2. Amazon und Ebay machen Google Konkurrenz: Google mag zwar die größte Suchmaschine der westlichen Welt sind, doch gilt dies vor allem im informationalen Sektor. Bei transaktionalen Suchanfragen nach Produkten oder dem Stellenwert des Konzerns als Online-Marktplatz sind Amazon und Ebay deutlich besser aufgestellt. Deshalb versucht Google nun, mehr Retailer und Produkte in die Shopping-Anzeigen zu bekommen – eine spannende Strategie, um einen Teil des E-Commerce-Wachstums für sich zu beanspruchen und die Relevanz aus Nutzersicht für Produktsuchen verbessern.
  3. Streit mit EU und Produktvergleichsportalen um Google Shopping: Seit 2013 ist Google Shopping für Händler kostenpflichtig – und für Google lukrativ: Weil Google das Anzeigen-Management verantwortete und rund 20 Prozent Kommission für sich beanspruchte, klagten verschiedene Produktvergleichsportale auf Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung vor der Europäischen Kommission. Im Jahr 2017 wurde Google von der EU zu einer Strafe in Höhe von 2,4 Milliarden Euro verurteilt. In der Folge wurde Shopping für externe Comparison Shopping Services (CSS) geöffnet, die im Auftrag von Shops die Shopping-Anzeigen einstellen dürfen. Das hatte mehr Wettbewerb zur Folge. In der Searchmetrics Google Shopping Studie 2018 lag der Google-Eigenanteil an ausgespielten Shopping-Anzeigen bei 68 Prozent; 32 Prozent kamen von externen CSS. Im Jahr 2019 lag der Google-Marktanteil bei „nur“ noch 51 Prozent, hat unsere Searchmetrics Google Shopping Studie 2019 ermittelt. Allerdings ist die Qualität des Wettbewerbs zumindest fragwürdig. In der Mehrheit sind es Marketing-Agenturen, die im Kundenauftrag Shopping-Anzeigen einstellen. Deshalb beschwerten sich erneut klassische Produktvergleichsportale bei der Europäischen Kommission. Wenn Google nun also einen Teil der Shopping-Anzeigen kostenlos macht, dürften sowohl die EU als auch die Produktvergleiche wenig Argumente haben, den Streit mit Google um die Shopping-Anzeigen fortzuführen.

Fazit: Win-Win-Situation durch kostenlose Shopping-Anzeigen

Alle, die im SEA arbeiten, dürfen sich freuen: Durch die kostenlosen Ads könnten Werbebudgets sinken. Google verzichtet im Gegenzug auf einen kleinen Teil des Erlöses, erhält aber durch das Freemium-Modell im Gegenzug eine Vielzahl von neuen Retailern und Shops, die zunächst kostenlose Shopping-Anzeigen schalten möchten. Wer einmal im Funnel drin ist, wird irgendwann nach der Krise vielleicht auch gewillt sein, Geld für noch bessere PLA-Platzierungen zu bezahlen. Zudem kann Google so versuchen, die eigene Relevanz für Produktsuchen gegenüber Amazon oder Ebay zu verbessern, wenn mehr Produkte und Shops gelistet sind.