Google Speed Update: Ladezeit als mobiler Ranking-Faktor

10. Juli 2018 | Analysen 7 Kommentare

Seit 9. Juli macht Google ernst: Die Ladezeit von URLs ist nun einer der Ranking-Faktoren für die Ermittlung der Suchergebnisse auf Mobilgeräten. Seiten, die also nur langsam auf Mobilgeräten laden, müssen damit rechnen, mobile Rankings an Websites zu verlieren, die schnell laden und damit eine bessere User Experience bieten. Alle Hintergründe sowie Insights zur Ladezeit in den deutschen Google-Suchergebnissen sowie zur Verbreitung von AMP-Websites gibt’s in diesem Beitrag.

Gratis-Studie zu Pagespeed

Google, das „Speed Update“ und die Mission „Mobiles Web“

Es passiert selten, dass Google ein Update am Suchalgorithmus im Vorfeld ankündigt. Im Mobilbereich aber operiert Google etwas offener. Nach der Ankündigung des „Mobilegeddon“-Updates, also der geforderten Mobilfreundlichkeit von Websites für mobile Top-Rankings – erklärte Google im Januar 2018, dass ab Juli die Ladezeit mobiler URLs als Ranking-Faktor für die Berechnung des Suchalgorithmus mit einbezogen wird.

Am 9. Juli 2018 war es dann soweit. Google erklärte, dass das Speed Update jetzt für alle Nutzer ausgerollt wird:

Wie schon bei „Mobilegeddon“ (der Name lässt allerdings Ranking-Turbulenzen mutmaßen, die so nicht eingetroffen sind) oder der Ankündigung des Mobile-First-Index dürfte hinter diesem Google Speed Update der Wunsch stehen, das Web insgesamt mobilfreundlicher zu machen.

Natürlich fließt die Ladezeit auch schon bisher in die Google-Berechnungen mit ein. 2010 erklärte der Konzern, dass Ladezeit ein Ranking-Faktor darstellt – aber damals eben vor allem in Bezug auf den Desktop-Sitespeed und die Berechnung der Desktop Rankings. Allerdings betont Google auch, dass das „Speed Update“ nur Auswirkungen auf einen kleinen Anteil der Suchanfragen und auch nur auf die langsamsten Seiten haben soll. Ebenfalls stellt die Ladezeit „nur“ einen von mehreren hundert Ranking-Faktoren dar, die Google für die Berechnung der Rankings verwendet. Entsprechend könne auch eine langsame Seite hohe Rankings erzielen, wenn sie relevanteren Content als die Konkurrenz aufweist und damit die Nutzerintention, die Google als am relevantesten für die Suchanfrage bewertet, besser als die anderen Seiten erfüllen kann.

Die 5 wichtigsten Fakten zu mobilen Ladezeiten

Die Bewertung des Sitespeeds für die mobilen Rankings begründet Google natürlich mit der steigenden Anzahl von Suchanfragen. Im Jahr 2015 sei die Zahl der mobilen Suchanfragen erstmals höher gewesen als am Desktop – diese Tendenz dürfte sich in den vergangenen Jahren weiter manifestiert haben. Weitere Zahlen von Google:

  1. 53% der Nutzer brechen ab, wenn die Ladezeit mehr als 3 Sekunden beträgt.
  2. Die durchschnittliche Ladezeit einer Website auf Mobilgeräten beträgt 15 Sekunden. Das sind 7 Sekunden weniger als noch 2017.
  3. 70% der Websites brauchen länger als 5 Sekunden, bis der visuelle Content above the fold geladen worden ist.
  4. 53% der mobilen URLs sind größer als 2 MB.
  5. Die meisten Mobilseiten werden via 3G- oder 4G-Verbindung geladen.

Searchmetrics-Analyse I: So schnell lädt das mobile Web in Deutschland

Searchmetrics hat die steigende Bedeutung der mobilen Seitenladezeit zum Anlass genommen, um aktuelle Daten zu Pagespeed und AMP-Verbreitung in den Google-Suchergebnissen zu gewinnen. Dabei haben wir für die Untersuchung allgemeine Benchmark-Werte und Branchen-Analysen durchgeführt. Die Studie steht als kostenloses Whitepaper zum Download bereit:

Searchmetrics Speed-Studie

Wie schnell – oder langsam – Webseiten auf Mobilgeräten laden, die Top-Positionen in den deutschen Google-Rankings innehaben, zeigt die folgende Grafik. Neben dem Benchmark-Durchschnittswert in der rechten Spalte haben wir diese Untersuchung ebenfalls nach unseren Branchen vorgenommen, für die wir bereits die Branchen Ranking-Faktoren sowie die Branchen-Studie Universal Search veröffentlicht haben.

Durchschnittliche-Ladezeiten-nach-Google-Position-in-fünf-Branchen-01Es zeigt sich, dass mobile Seiten, die auf den Positionen 1 bis 5 ranken, schneller laden als die, die sich auf den Positionen 6 bis 15 befinden. Während der branchenübergreifende Benchmark-Wert für die Top5-Seiten bei genau 3 Sekunden liegt – also noch genau in der Zeit, die Google immer als Benchmark angibt für eine erhöhte Absprungrate von Nutzern – benötigen die Seiten auf den Positionen 6 bis 15 über drei Sekunden Ladezeit.

Im Branchen-Vergleich laden topplatzierte Landingpages aus dem Gesundheitsbereich am schnellsten, gefolgt von Medien- und Reise-Websites. Mehr als 3 bzw. sogar 4 Sekunden benötigen die Top-URLs aus dem Branchen E-Commerce und Finanzen.

Kommt das Google Speed Update, müssen sich also insbesondere die langsameren URLs auf den Positionen 6 bis 15 auf eventuelle Ranking-Verluste einstellen.

Searchmetrics-Analyse II: So verbreitet ist AMP in den deutschen Suchergebnissen

Ebenfalls hat Searchmetrics für diese Analyse die Verbreitung von Accelerated Mobile Pages (AMP) in den mobilen Suchergebnissen von Google.de untersucht. Wurde das schnelle, reduzierte Framework anfangs nur von Publishern verwendet, setzen inzwischen immer mehr Websites aus allen Branchen auf AMP-Seiten.

So findet sich mindestens eine AMP-Integration bei 57% aller untersuchten Keywords auf der ersten Suchergebnisseite. Am häufigsten sind organische AMP-Integrationen, also klassische Suchergebnisse mit einem AMP-Blitz. Die zweithäufigste Form der AMP-Integration sind die Schlagzeilen; diese News mit AMP-Ergebnissen treten bei 20% der Keywords auf. Ein gemischtes News-Karussell gibt’s bei 12% der Keywords; ein reines Publisher-Karussell immerhin noch bei 6% der Keywords.

SERP-DE-alle-AMP-Integrationen

Spannend ist der Vergleich der AMP-Integrationen in den verschiedenen Branchen:

Häufigkeit-der-verschiedenen-AMP-Integrationstypen-in-fünf-Branchen-01AMP kommt am häufigsten in der Medien-Branche vor (78% der Keywords), aber auch in der Finanz- und Gesundheitsbranche erscheinen AMP-Ergebnisse bei mehr als 50% der Google-Suchergebnisse. Am seltensten kommen AMP-Ergebnisse bei E-Commerce-Keywords vor. Hier sind es nur 38% der Suchergebnisse.

Searchmetrics Speed-Studie

Fazit: The Need for Speed geht in eine neue Runde

  • Mit dem Speed Update zeigt Google wieder einmal, wie wichtig der Konzern das mobile Web und die damit verbundene User Experience nimmt. Die mobile Seitenladezeit als offiziellen Ranking-Faktor einzuführen, ist nach dem „Mobilegeddon“-Update ein weiteres Druckmittel, um das mobile Web voranzubringen.
  • Auch deutsche Website-Betreiber müssen hier ihre mobile Seiten-Versionen optimieren. Google will ein mobiles Web, bei dem die topplatzierten Landingpages in maximal drei Sekunden auch bei einer langsamen Internetverbindung geladen sind.
  • Unsere Searchmetrics-Analyse hat gezeigt, dass nur die Branchen Gesundheit und Medien diese Anforderung erfüllen. Generell können Website-Betreiber vor allem dann vom Google Speed Update profitieren, wenn die eigene Seite etwa in den Top6 bis Top10 der Suchergebnispositionen gerankt ist und die Seite schneller lädt als die besser platzierte Konkurrenz – und dazu noch den relevantesten Content enthält.
  • Eine Optimierung der eigenen Pagespeed Performance lässt sich auch über den Einsatz des AMP-Frameworks erreichen. Branchenübergreifend enthalten 57% der untersuchten Keywords mindestens ein AMP-Suchergebnis. Dies gilt in besonderem Maß für den Bereich Medien, die Vorreiter beim AMP-Einsatz waren, aber auch in hohem Maße für Finanz- und Gesundheitsergebnisse, bei denen AMP-Ergebnisse für mehr als die Hälfte der Keywords ausgespielt werden.

PS: Wer schreibt denn hier? Mein Name ist Jan und ich bin als Content Marketing Manager bei Searchmetrics tätig. Ich verfasse Studien & Whitepaper rund um Search- und Content-Optimierung, blogge hier über neue Produkt-Features, Google Updates und analysiere frische SEO-Daten aus unserer Suite.
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Kommentare (7)

  1. 12. Jul. 2018 10.46 Uhr

    Danke euch für die Insights dieser Studie.

    Als echten Mehrwert würde ich mir noch ein paar eurer Linktipps zu Tools wünschen, mit denen ihr die Messungen durchführt und die ihr vom Ergebnis her als „adäquat“ erachtet würdet.

    Es gibt da ja schier unendliche Möglichkeiten… Google Page Speed, Google Lighthouse, RUXT, Pingdom… etc.

  2. 12. Jul. 2018 11.01 Uhr

    Hallo Michael, wir haben hioerfür ein Tool entwickelt das auf den PerformanceTiming-Events basiert; alles natürlich mit stabiler Verbindung vom gleichen Server, um Vergleichbarkeit und Konsistenz bei den Ergebnissen zu gewährleisten.

  3. 30. Jul. 2018 14.51 Uhr

    Hi Jan,

    danke für die Studie und die Erläuterung dazu. Im pdf zu eurer Studie erklärt ihr – in löblicher und leider seltener Ausnahme zu vielen anderen solchen Studien – was ihr unter Ladezeit wirklich versteht. Das hilft sehr beim Nachvollzug der Ergebnisse, denn wie Michael Rübcke oben schon schreibt, gibt es hierzu sehr viele Ansätze.

    Hier für alle, die sich die Studie noch downloaden werden. Da steht auf S. 9: „Unabhängig von der Metrik, die gemessen wird, muss eine Analyse von Seiten-Ladezeiten vor allem konsistent durchgeführt werden, damit die Vergleichbarkeit der Ergebnisse untereinander gewährleistet ist. Für diese Studie wird Ladezeit als die Zeit vom Versenden des ersten Request bis zur Vervollständigung des Document Object Model (domComplete) definiert. Dies signalisiert, dass der Browser das Dokument vollständig verarbeitet hat.“

    Danke!

  4. 30. Jul. 2018 15.39 Uhr

    Hi

    Schöne Studie. Hat der Pagespeed (abgesehen von User-Abbrüchen bei zu langen Ladezeiten) denn auch eine Auswirkung bei SEA und kann AMP SEA Rankings beeinflussen? Werden AMP Landingpages im SEA Bereich auch von Bing, etc. unterstützt? Kann man das aus der Studie ersehen?

    Mit besten Grüßen!

  5. 08. Aug. 2018 10.42 Uhr

    Hallo Jan,

    danke für den Artikel.
    Mich würde auch interessieren, welche Tools ihr am ehesten empfehlen würdest, um die mobile Ladezeit zu prüfen. Ich habe festgestellt, dass die Ergebnisse sehr stark variieren können.

    Am unzuverlässigsten empfinde ich das folgendeTool: https://testmysite.withgoogle.com/intl/en-gb

    Ich denke, dass die „Network“-Abfrage in Chrome mit der Einstellung „Fast 3G“ bzw. Google Lighthouse eher geeignet sind.
    Bei Google PageSpeedInsights erhalte ich oft gar keine Geschwindigkeitswerte, sondern nur den Grad der Optimierung.

    Vielen Dank schon mal.

  6. 15. Aug. 2018 08.58 Uhr

    @Sven, ich halte auch Lighthouse mit gedrosselter Einstellung (3G, usw.) für das beste Messinstrument. Und dort ist dann meiner Meinung nach First-Meaningful-Paint der wichtigste Werte. Denn das ist was die User am ehesten spüren (im Vergleich zu TTFB, usw.).

  7. 27. Aug. 2018 15.42 Uhr

    Hey Maike, Google AdWords unterstützt AMP und die schnellere Ladezeit soll zu besseren Conversion Rates führen, siehe https://adwords.googleblog.com/2017/09/speed-up-your-search-text-ads-with-amp.html
    Da eine bessere Conversion Rate mehr Spielraum beim Max-CPC-Gebot lässt, ist das Nachweisen einer direkten Korrelation zwischen SEA-Ranking und AMP schwierig. Grundsätzlich scheint es aber keine schlechte Idee zu sein, AMP im SEA-Bereich zu testen.

    SEA bei Bing haben wir im Rahmen dieser Studie nicht dediziert betrachtet.

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