Warum das Google-Update der Bildersuche neue Traffic-Chancen bietet

15. Mai 2017 | Topic Experts 9 Kommentare

Googles Update der Bildersuche Ende Februar hat viele Diskussionen ausgelöst. Vor allem Webseitenbetreiber und Bildproduzenten sprachen von einer Urheberrechtsverletzung und kritisierten die potenziellen Traffic-Einbußen durch die neue Darstellung. Dabei hilft die Änderung, qualifizierteren Traffic zu erhalten – und ist für Website-Betreiber ein Ansporn für eine moderne visuelle Suchmaschinenoptimierung.

Update der Google-Bildersuche

Zuvor öffnete der Klick auf ein gesuchtes Bild eine Vorschau der Webseite, in der das Bild eingebettet ist und trieb damit den Zähler der Seitenaufrufe von Webseiten nach oben. Neuerdings präsentiert Google das Bild – in Originalgröße (!) – in einer eigenen Vorschau; zusammen mit weiteren, ähnlichen Bildern.

Traffic-Rückgang durch Google-Update?

Den Vorwurf der Urheberrechtsverletzung dürfte Google womöglich mit dem Argument zurückweisen können, dass die Bilder weiterhin nur eingebettet und nicht über eigene Server bereitstellt werden. Die Gefahr des Traffic-Verlusts bleibt hingegen bestehen, trotz der nun vier vorhandenen Links auf die Ursprungsseite.

Vor allem eines macht diese Änderung jedoch deutlich: Google konzentriert sich auf seine Nutzer, sprich die Suchenden, und vereinfacht die Bildersucher durch die neue Darstellung erheblich. Nicht nur können wir die einzelnen Bilder schneller durchklicken, der Algorithmus liefert uns sogar noch zusätzliche Vorschläge.

Ist der mancherorts gemessene Traffic-Rückgang – etwa von Martin Mißfeldt – also wirklich ein Grund zur Sorge, oder bereinigt die Umstellung nicht sogar eher unsere Zugriffszahlen in Hinblick auf die “Besucher-Qualität”? Denn wer nach Bildern sucht, will auch Bilder finden, anstatt auf irgendwelche unbekannten Webseiten weitergeleitet zu werden. Wer ein echtes Interesse an den gefundenen Bildern hat, wird die Ursprungsseite schon freiwillig besuchen – und ist dabei definitiv besser gelaunt als es zuvor der Fall war. Und davon profitieren Seitenbetreiber am Ende auch. Ich betrachte die neue Bildersuche daher eher als Weckruf an die Branche, bessere Bildinhalte zu erstellen.

Abgesehen davon enthalten die meisten Google-Suchergebnisseiten mittlerweile eine zusätzliche Content-Boxen mit Shopping-Ergebnissen, News oder eben Bildern, wie im Screenshot am Beispiel der Suche nach „Samsung Galaxy S7“ dargestellt:

Google-Bildersuche - Universal Search-Integration

Aus der Searchmetrics Universal Search Studie geht hervor, dass bei mehr als jedem dritten (!) Keyword Bilder angezeigt werden. Wir können uns also durch Bilder nicht nur in der Bildersuche positionieren, sondern auch in der Universal Search!

Höhere Sichtbarkeit durch Visual Content

Während sich viele vor allem auf Texte und Keywords stürzen, lassen sich neben der grundlegenden Performance einer Website aber auch Bilder optimieren. Die folgenden Aspekte der Bildoptimierung dürften dabei sicherlich schon bekannt sein.

  • Sprechender, Repräsentativer Dateiname, der den Inhalt des Bildes widerspiegelt. Im Idealfall enthält der Dateiname das Fokus-Keyword des Artikels, indem das Bild eingebettet ist.
  • Ähnliches empfiehlt sich für die Beschreibung (alt-Tag) und den Titel (title-Tag) des Bildes.
  • Minimale Dateigröße, sodass das Bild schnell geladen wird. Da die Seitenladegeschwindigkeit als Rankingfaktor zählt, ist dieser Aspekt besonders wichtig. Bilder in Druckauflösung gilt es demnach vorher zu komprimieren.
  • Sprechende Bild-URL, die ggf. sogar eine klare Ordnerstruktur erkennen lässt; zum Beispiel das Bild “apfel.jpg”, das im Bilderordner de/bilder/obst/apfel.jpg liegt. Zudem bietet sich die Nutzung einer separaten Sitemap für Bilder an.

Durch die neue Google Suche ergeben sich nun aber weitere Anforderungen bzw. Möglichkeiten an die Optimierung von Bildinhalten:

  • Da sich Google nun das Bild in höchster Auflösung für die Anzeige in der Suche heraussucht, sollten Webmaster darauf achten, nur eine Version eines Bilds auf dem Server liegen zu haben. Unterschiedliche Größen (d.h. Abmessungen), bspw. für unterschiedliche Endgeräte, sollten nach Möglichkeit dynamisch generiert werden. Ansonsten besteht Gefahr, dass Google ein Bild von einer URL anzeigt, die dem Suchenden keinerlei Nutzen im Sinne kontextueller Informationen – sprich den dazugehörigen Artikel – bietet.
  • Um diesem Risiko entgegenzuwirken bietet es sich an, visuelle Inhalte so zu gestalten, dass sie auch außerhalb ihres ursprünglichen Kontextes Sinn ergeben – etwa, indem sie direkt beschriftet werden (Text-Overlay) oder zumindest eine Quellenangabe direkt im Bild enthalten. Auf diese Weise wird dem Betrachter der Kontext klar und er kann die Quellseite direkt ansteuern. Diese Methode hat sich vor allem bei Infografiken bewährt, die sich infolge dessen auch ohne direkt ersichtlichen Bezug zum Begleitartikel sehr gut verbreiten.
  • Um das Potenzial der neuen Bildersuche voll auszuschöpfen, könnten Webseitenbetreiber künftig nicht nur ein einzelnes Bild zu einem Thema bereitstellen, sondern weitere, ähnliche Bilder. Statt nur einen Apfel zu zeigen, ist es sinnvoll mehrere verschiedene zu präsentieren. Google wird diese dann ebenfalls in den Suchergebnissen integrieren, wodurch letztendlich die Chance steigt, dass Suchende auf der Webseite des Urhebers landen.

Genauso holistisch, wie wir Themen bisher durch Texte abdecken, sollten wir das künftig also auch durch visuellen Content tun.

Dass sich diese Bemühungen lohnen (werden), zeigt nicht zuletzt die steigende Popularität visueller Inhalte – in Blick auf die Entwicklung von Instagram oder Pinterest genügt.  Eine detaillierte Erklärung, warum Visual Content wirkt, findest du bei mir im Blog.

Derzeit sind es vielleicht noch primär Bilder, aber Videos gewinnen zunehmend an Bedeutung. Bereits für jedes fünfte Keyword bietet Google auf den Ergebnisseiten bereits passende Videos an.

Universal Search Studie 2016

Unterm Strich zählt vor allem eines: Visuelle Inhalte sind Teil der Suchmaschinenoptimierung! Das betrifft vor allem Bilder und Videos, bezieht aber genau genommen auch die Nutzung des Knowledge Graphs und anderer Elemente der Extended Search mit ein. Denn der springende Punkt ist doch der, dass wir durch die Optimierung Aufmerksamkeit gewinnen wollen – durch visuelle oder „visuell wirkende“ Content-Formate.

Die Zeiten, in denen die Google-Suchergebnisseiten zehn blaue Links enthalten, sind lange vorbei. Wir sollten nicht mehr auf Basis historischer Daten optimieren, sondern auf Grundlage unserer Annahmen über die Zukunft.

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Robert Weller ist selbständiger Coach für Content, Marketing & Design und teilt seine Erfahrung gerne als Speaker auf Konferenzen. Daneben schreibt er regelmäßig Fachartikel sowohl für seinen eigenen Blog toushenne als auch für Unternehmen wie Searchmetrics, Brandwatch oder HubSpot.
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Kommentare (6)

  1. 23. Mai. 2017 19.57 Uhr

    Danke für die ausführlichen Infos zu diesem G update. Mal sehen, ob der Traffic dadurch zunimmt. Ich nehme an, dass dieser Traffic aber nur „kalter Traffic“ ist, weil bei Bildersuchen steht halt kein Kaufinteresse dahinter, oder?

  2. 23. Mai. 2017 21.10 Uhr

    Der Traffic dürfte nur dann merklich zunehmen, wenn die vorhandenen Bilder entsprechend optimiert sind und idealerweise der eigene Bilder-Output steigt). Dass kein Kaufinteresse hinter einer Bildersuche steht, würde ich pauschal nicht sagen. Man bedenke bspw. Produktbilder und auch ein Blick auf Pinterest zeigt, dass die „visuelle Suche“ durchaus Kaufeinflüsse hat.

  3. 27. Mai. 2017 17.00 Uhr

    Hi Robert,

    bei der Bild-Optimierung „Minimale Dateigröße“ kann ich nicht zu 100% zustimmen.

    Du willst ja, dass deine Besucher trotzdem ein qualitativ gutes Bild haben.

    Ist die Auflösung zu klein erkennt der User nichts.
    Ist die Qualität des Datenreduktions-Verfahren zu klein sind die Bilder verpixelt.

    Besonders bei Info-Grafiken, Hintergründen, Blog-Fotos (oder sowas Ähnliches in der Kategorie) suchst du nach hochauflösenden Bildern.

    Es kommt also drauf an, wie klein oder groß das Bild sein sollte.

    Bei Kunden stelle ich immer wieder einen Hauptfehler fest. Die Bilder sind nicht so optimiert, dass die Qualität und Größe im Verhältnis steht.

    Statt „Minimale Dateigröße“ würde ich den deinen Punkt „Optimiertes Format“ nennen. Das impliziert mehr, dass zusätzlich auf den User Acht gegeben werden muss.

    Was meinst du?

    Grüße
    Patrick

  4. 27. Mai. 2017 17.41 Uhr

    Hi Patrick,

    ich stimme dir zu. Mein Ausgangspunkt ist immer die Qualität im Sinne des Konsumenten. Ohne diese zu beeinträchtigen soll die Dateigröße auf ein Minimum reduziert werden. Das hätte ich präziser formulieren können… danke für deinen Hinweis! 🙂

    Grüße,
    Robert

  5. 31. Mai. 2017 13.31 Uhr

    Aus User-Sicht ist die neue Bildersuche hervorragend. Es ist auch zwingend nötig, weiterhin Bilder zu verwenden und diese weitestgehend zu optimieren, um eigene Online-Angebote aufzuwerten. Ob die neue Bildersuche Website-Besucher bringt, hängt aber vom Ziel des Kunden ab. Früher kam der Website-Besucher über das Bild auf eine Seite. Vielleicht hat er dort Inhalte entdeckt, die vielleicht nicht direkt mit dem Bild zu tun haben, ihn aber dennoch interessieren.
    Die neue Bildersuche verhindert solche Seiteneffekte jedoch komplett.

  6. 31. Mai. 2017 13.44 Uhr

    Da würde ich nicht ganz zustimmen. Denn der Seitenbetreiber (als Bild-Publisher) hat weiterhin die Möglichkeit seine Bilder zu bearbeiten – bspw. um visuelle Handlungsaufforderungen zu ergänzen und den Betrachter dadurch aktiv zum Klick auf die Webseite zu bewegen. Ich halte den Einsatz von Bildern zur Kommunikation für unfassbar wichtig, sehe sie aber überwiegend im Einsatz zur Aufmerksamkeitsgenerierung oder als „Stimmungsmacher“. So wie wir Texte oder Videos konzipieren und gestalten, können wir das auch mit Bildern tun…

Trackbacks (3)

  1. 15. Mai. 2017 22.51 Uhr

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  2. 19. Mai. 2017 08.01 Uhr

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  3. 12. Jun. 2017 14.03 Uhr

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