Mobile first: Wie ihr euch auf den neuen Google-Index vorbereitet

16. November 2016 | Allgemein 5 Kommentare

Es ist ein Epochenwechsel, den Google angekündigt hat: Wurden bisher die Desktop-Versionen einer URL als Hauptindex von Google für die Evaluation von Webseiten und die Ermittlung von Rankings verwendet wurde, soll dies bald durch die mobile Version einer Seite erfolgen. Nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten zum Mobile-First-Index – und eine Analyse der Top-Seiten im deutschen Google-Index, die die höchste Differenz zwischen ihrer Visibility am Desktop und in den mobilen Ergebnissen haben.

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google-mobile-index

Die Frage des Hauptindexes von Google beschäftigt die SEO-Szene schon seit einiger Zeit – spätestens seit Mobilegeddon im April 2015. Gibt es separate Indizes für Desktop und Mobile?

Oder gibt es „nur“ einen Hauptindex? Jetzt hat Google die Frage im Webmaster-Blog geklärt: Es gibt weiterhin einen Index, jedoch ändert sich die Grundlage der Seiten, die in den Index kommen werden. Wurde bisher die Desktop-Version der Seite zur Bewertung herangezogen, fällt diese Aufgabe künftig der Mobile-Variante zu.

 

4 Tipps für die Umstellung auf den mobilen Index

1. Mobile Seite in der Search Console anmelden

Wer eine separate mobile Seite anbietet, diese jedoch bislang noch nicht explizit in der Google Search Console eingetragen hat, sollte jetzt handeln. Alle mobilen Seiten-Ausgaben – entsprechend mit oder ohne www. – sollten eingetragen werden, um Google die Existenz einer separaten Mobil-Version explizit zu übermitteln. Canonicals müssen nicht verändert werden, die ja im Regelfall bisher von der Mobile-Seite auf die Desktop-Version zeigten. Wer eine responsive Seite hat, dessen Haupt-Content und Markup-Struktur sich zwischen Desktop und Mobile nicht unterscheidet, muss laut Google nichts tun.

2. Mobilen User Agent nutzen und Seite prüfen

Rund anderthalb Jahre nach Mobilegeddon finden sich in den mobilen Suchergebnissen noch immer zahlreiche URLs, deren Mobilfreundlichkeit ausbaufähig ist – selbst wenn sie das mobile-friendly-Label erhalten haben. Ob Cookie-Hinweis, App-Download-Banner, Newsletter-Interstitial: Google wird in diesem Bereich in den kommenden Monaten sicher noch genauere Bewertungsmaßstäbe anlegen. Deshalb ist es wichtig, die eigene Website mit einem mobilen User-Agent zu crawlen; dies gilt für die Search Console, aber auch für Analyse- und Optierungstools wie Page Speed, GT Metrix & Co – folgende Fragen können beantwortet werden: Wie ist die Nutzerfreundlichkeit? Ist der Hauptcontent sofort verfügbar? Wie ist die Ladezeit? Stören Banner oder Interstitials?

3. Structured Markup überprüfen

Google widmet sich in der Mitteilung zum Mobile-first-Index detailliert den Structured Markups. Vermutlich gab es in der Vergangenheit zahlreiche Websites, die zu viele oder unpassende Markup-Strukturen verwendet haben. Jetzt sollen „large amounts of markup“ vermieden werden, die nicht relevant für das spezifische Dokument sind. Dies bedeutet: Webmaster sollten die Markup-Struktur ihrer Landingpages überprüfen – und im Idealfall ein Markup pro Seite verwenden. Dabei sollte die Entscheidung entsprechend für Produkt, Blogpost oder Rezept ausfallen. Damit kann Google den Hauptcontent der Landingpage schneller erfassen.

4. Desktop vs. Mobile Visibility prüfen

Google bewertet Websites künftig nur noch nach ihren Mobil-Versionen – entsprechend wichtig ist es, jetzt die Performance eurer Websites in den mobilen Suchergebnissen zu überprüfen. Richtet jetzt das Monitoring ein und überprüft Desktop- und Mobile-Visibility eurer Web-Projekte mit der Searchmetrics Suite.

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Offene Fragen zum Mobile-first Index

Trotz des ausführlichen Posts von Google bleiben zahlreiche Fragen noch ungeklärt. Etwa, wie genau Google den Hauptcontent einer Seite erkennt: Geht es um das Nutzerverhalten, etwa die Aufenthaltsdauer auf einem bestimmten Seitenbereich? Oder wird der Hauptcontent aus den Informationen ermittelt, die etwa above the fold abrufbar sind? Und könnte dies bedeuten, dass Footer-Texte und -Links künftig nicht mehr gezählt werden? Und was, wenn meine Landingpage sowohl Produktratgeber als auch Produktangebote enthält – wie gewichtet Google dann den Schwerpunkt, insbesondere auf dem Smartphone, wo die Nutzer ungeduldig sind und die Kerninformation sofort verfügbar sein sollte?

Auch die Frage, wie Google mit „versteckten Texten“ umgeht, ist nicht klar. Bisher konnten etwa für Mobilgeräte bestimmte Content-Elemente z.B. eingeklappt werden, um mehr Übersicht auf der begrenzten mobilen Darstellungsfläche zu schaffen. Google bewertet dann diesen Text als weniger zugänglich und wichtig für die Nutzer ein. Gary Illyes gab nun zu Protokoll, dass in einem Mobile-first-Index jener Content, der zu UX-Zwecken verborgen bleibt, trotzdem volles Bewertungsgewicht bekommt – ein Widerspruch zur bisherigen Praxis.

Mögliche Hinweise darauf, welchen Content Google für spezifische Content-Kategorien als relevant erachtet, könnten die AMP-Hinweise geben (AMP = Accelerated Mobile Pages). Nachdem Google AMP jetzt auch für „normale“ Web-Ergebnisse geöffnet hat und nicht nur News-Artikel als AMP listet, könnten laut John Mueller alle Landingpages beschleunigt auf Mobilgeräten ausgegeben werden – egal, ob es sich um Produkt-, Educational- oder andere Websites handelt.

 

Analyse: Mobile vs. Desktop SEO Visibility in den deutschen Top-Websites

Nachfolgend analysieren wir die Websites mit dem größten Unterschied zwischen Desktop-Visibility und Mobiler Sichtbarkeit. Wenn die Sichtbarkeit in den mobilen Suchergebnissen deutlich niedriger ist und Google künftig diese Seitenversion in seinem Hauptindex verwendet, könnten diese Websites möglicherweise von einem Sichtbarkeitsrückgang in geräteübergreifenden Suchergebnissen betroffen sein. Die Top50 wurden nur für Domains ermittelt, deren Desktop-Visibility über 5000 liegt. Erhebungszeitpunkt waren die Top-Charts vom 6. November 2016.

Domain Desktop Visibility Mobile Visibility Differenz absolut Differenz prozentual Mobilfreundlich?
zylom.com 43186 8552 34634 80,2%
fettspielen.de 35599 8757 26842 75,4%
ofdb.de 24088 6172 17916 74,4% nicht mobilfreundlich
oyunskor.com 31871 9481 22390 70,3%
stadtplan.net 16893 5248 11645 68,9%
bildspielt.de 82152 27257 54895 66,8%
indiatimes.com 14847 5069 9778 65,9%
oyunlar1.com 15722 5390 10332 65,7%
haber7.com 25302 9032 16270 64,3%
fussballdaten.de 31064 11247 19817 63,8% nicht mobilfreundlich
oyunkolu.com 14740 5435 9305 63,1%
bankofscotland.de 12844 5128 7716 60,1%
schalke04.de 13903 5560 8343 60,0% nicht mobilfreundlich
freeonlinegames.com 30921 12580 18341 59,3%
canlitv.mobi 15921 6719 9202 57,8%
spielspiele.de 33245 14059 19186 57,7%
unwetterzentrale.de 14401 6101 8300 57,6% nicht mobilfreundlich
iban-blz.de 17005 7249 9756 57,4% nicht mobilfreundlich
kongregate.com 12812 5539 7273 56,8%
sheppardsoftware.com 13787 6012 7775 56,4% nicht mobilfreundlich
gamepedia.com 53266 23459 29807 56,0%
dooyoo.de 13633 6047 7586 55,6% nicht mobilfreundlich
modhoster.de 15591 7060 8531 54,7% nicht mobilfreundlich
finya.de 16340 7462 8878 54,3%
warnerbros.de 21788 9954 11834 54,3% nicht mobilfreundlich
myspass.de 28820 13272 15548 53,9%
bgames.com 18919 8870 10049 53,1%
supportnet.de 12373 5907 6466 52,3% nicht mobilfreundlich
alexo.org 10977 5373 5604 51,1% nicht mobilfreundlich
steampowered.com 126390 61918 64472 51,0%
synchronkartei.de 36072 17712 18360 50,9%
leagueoflegends.com 33211 16329 16882 50,8% nicht mobilfreundlich
schule-bw.de 21053 10378 10675 50,7% nicht mobilfreundlich
utrace.de 13357 6631 6726 50,4% nicht mobilfreundlich
meteomedia.de 19312 9634 9678 50,1% nicht mobilfreundlich
spielkarussell.de 22806 11470 11336 49,7%
suhrkamp.de 10025 5050 4975 49,6% nicht mobilfreundlich
sondakika.com 17064 8606 8458 49,6%
klack.de 17597 8890 8707 49,5%
starflash.de 14484 7332 7152 49,4% nicht mobilfreundlich
hellweg.de 13972 7088 6884 49,3% nicht mobilfreundlich
goodgamestudios.com 10498 5352 5146 49,0%
finanznachrichten.de 99093 50745 48348 48,8%
niederschlagsradar.de 20834 10752 10082 48,4% nicht mobilfreundlich
radioszene.de 10704 5536 5168 48,3% nicht mobilfreundlich
gametwist.com 15335 7944 7391 48,2%
twitch.tv 21138 11025 10113 47,8% nicht mobilfreundlich
fluggesellschaft.de 13989 7318 6671 47,7%
hd-gbpics.de 15968 8361 7607 47,6% nicht mobilfreundlich
logitel.de 10479 5488 4991 47,6% nicht mobilfreundlich
Durchschnitt 50909 17592 33316 56,6% 44% nicht mobilefreundlich
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PS: Wer schreibt denn hier? Mein Name ist Jan und ich bin als Content Marketing Manager bei Searchmetrics tätig. Ich verfasse Studien & Whitepaper rund um Search- und Content-Optimierung, blogge hier über neue Produkt-Features, Google Updates und analysiere frische SEO-Daten aus unserer Suite.
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Kommentare (4)

  1. 18. Nov. 2016 07.42 Uhr

    „Canonicals müssen nicht verändert werden, die ja im Regelfall bisher von der Desktop-Seite auf die Mobil-Version zeigten.“ Seid ihr euch da sicher? War doch bislang eher umgekehrt.

  2. 21. Nov. 2016 11.35 Uhr

    Ist ja ganz toll. Wenn ich aus welchen gründen auch immer keine mobile Seite will, werde ich bestraft. Eine Anmaßung und Frechheit sondergleichen. Google sollte zerschlagen werden!

  3. 28. Nov. 2016 15.58 Uhr

    Hallo Tobias, danke für den Hinweis – da hast Du natürlich völlig Recht & wir haben es geändert.

  4. 29. Dez. 2016 10.55 Uhr

    @Martin:
    Mobile First – Warum?
    Ganz klar, weil immer mehr User mobil surfen, als über den Desktop. Und Google will natürlich den User einen bestmöglichen Erfolg über die Suchergebnisse ermöglichen.
    Wenn die Seite auf dem Smartphone schlecht zu lesen / anzuschauen ist, ist es daher nur mehr als fair, wenn eine Abstrafung für nicht mobile optimierte Seiten erfolgt!

Trackbacks (1)

  1. 29. Nov. 2016 12.23 Uhr

    […] Sogar Google hat 2016 beschlossen, dass stationäre Websites nicht mehr die Grundlage für Rankings …. Um deinen Usern also etwas zu bieten, musst du deinen Content so verpacken, dass er vor allem auf Smartphones funktioniert – und hier kommt Responsive Webdesign ins Spiel. Mit dieser Technik passt sich deine Website immer an die Größe des Displays an, auf dem sie angezeigt wird. Das ist heutzutage definitiv der Standard und du bist gut beraten, wenn du deinem Publikum diese User Experience ermöglichst… man wird es dir danken und auch Google wird dich dafür mit besseren Rankings belohnen! […]

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