Ranking-Analyse neuer Top-Level-Domains: ‚.berlin‘-TLDs in der lokalen Google-Suche

7. Oktober 2014 | Analysen 64 Kommentare

Seit circa einem Jahr sind nun zusätzlich zu den etablierten .de, .com oder .net Domains auch die ersten neuen Domainendungen aktiv. Neben branchenspezifischen (.hotel, .immobilien) – oder gar einer Brand-TLD (.axa, .wtc) – sind für viele (lokale) Businesses wohl auch die lokalen Domainendungen wie .berlin, .hamburg, .saarland oder .koeln interessant. Insbesondere für Unternehmen, die bereits eine nationale oder internationale Domain haben, fragt sich, ob und inwiefern eine neue TLD aus SEO-Sicht sinnvoll ist.

berlin-TLD Analyse

Am Beispiel der lokalen Top-Level-Domain .berlin – übrigens die erste Stadt-Domain-Endung weltweit – haben wir lokale mit nicht-lokalen Suchergebnissen verglichen und analysiert, ob es Unterschiede in den Rankings ein- und derselben Domain je nach Location-Parameter – Standort: Berlin – gibt. Die Ausgangsfrage lautet also: Könnten die neuen Domainendungen ein (Nischen-)Ranking-Faktor sein/werden?

Top-Level-Domain – was bedeutet das eigentlich?

Zu Anfang noch einmal eine kurze Begriffsklärung. TLD – ausgeschrieben: Top-Level-Domain – bezeichnet den letzten Teil einer Domainnamensfolge und damit buchstäblich deren ‚höchste Ebene‘. In unserem Fall wäre das beispielsweise www.searchmetrics.com.

Diese Domainendungen lassen sich noch in spezielle Gruppen unterteilen – hauptsächlich in generische und länderspezifische. Letztere sind die country code TLDs (ccTLD) wie .de oder .fr und wohl recht selbsterklärend.

Die generischen Top-Level-Domains splitten sich hingegen (eigentlich) noch einmal in nicht-gesponserte (uTLD) – zum Beispiel die bekannten .com, .info, .net, .org – sowie gesponserte (sTLD) – zum Beispiel .edu oder .gov – Domainendungen auf. Zu den gesponserten gehören nun im Prinzip auch die neuen TLDs. Koordiniert wird die Vergabe von Top-Level-Domains und Adressen etc. im Internet übrigens von der ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers). Die Differenzierung sponsored vs. unsponsored TLDs ist für die jetzige Runde allerdings kein Kriterium mehr. Die ICANN spricht hier nur noch pauschal von „generic Top Level Domains“.

Neue Domainendungen: für wen sinnvoll?

Nun ist natürlich die Frage, für wen diese neuen Domainendungen sinnvoll sind und ob sich eventuell Vorteile daraus ergeben. Förmlich ins Auge springt einem dabei die Annahme, dass sich durch die Spezifizierung nun der Domainstring, wenn schon nicht mehr durch den Domainnamen selbst (Stichwort: Keyword-Domain), mittels neuer TLD gewissermaßen erneut auf Keyword-Level kondensieren lässt.

Ganz abgesehen davon, dass nun für jede zugelassenen neue TLD wieder kurze und prägnante Adress-Strings verfügbar werden, die bei den etablierten TLDs natürlich größtenteils abgeschöpft sind.

Von der Keyword-Domain zur Keyword-TLD?

Hierzu ein kurzer Ausflug: In unseren Studien zu Google Rang-Korrelationen und Ranking-Faktoren wird insbesondere an den Jahresvergleichen deutlich, dass Keyword-Domains mittlerweile kein Ranking-Faktor mehr sind. Vor nicht allzu langer Zeit konnte man mit dem entsprechenden Keyword im Domainnamen noch vergleichsweise gute Google-Platzierungen erzielen, ohne vielleicht unbedingt andere Ranking-Parameter zu erfüllen. Natürlich gibt es weiterhin Keyword-Domains in den SERPs – aber der frühere Bonusfaktor ist größtetnteils Geschichte.

Nun tun sich mit den neuen Top-Level-Domains ebenso neue Möglichkeiten auf. Und wieder scheint es sich auf die Keywordebene reduzieren zu lassen, die nun eben nicht mehr hinter dem www., sondern hinter dem Domainnamen steht (was dann im Übrigen zu solch schönen Kombinationen wie hotel.hotel führt).

Nun also zur Preisfrage: „Ranking-Faktor TLD“ – gibt es messbare Unterschiede bei den Google-Rankings?

Analyse .berlin-Domains: Besser im lokalen Ranking?

Wir haben auf Basis eines festgelegten Keywordsets die Rankings von .berlin-Domains in der lokalen (Standort: Berlin) und der nicht-lokalen Google-Suche analysiert und die resultierenden Parameter mit äquivalenten Resultaten für .de und .com Domains als Benchmarks verglichen. Die Ergebnisse zeigen dabei einen recht deutlichen Trend.

Dabei sei jedoch festgehalten, dass es sich hierbei eher um eine adhoc-Analyse und insbesondere in Bezug auf die .berlin-Daten um noch vergleichsweise wenige Daten handelt, auf denen diese Ergebnisse fußen. Das ist unter anderem so, weil einfach noch recht wenig neue TLDs in den Suchergebnissen vertreten sind. Deshalb haben wir gegen die Verteilung von .de und .com Domains geprüft, ob der Effekt, den wir beobachtet haben, statistisch signifikant ist. Dies ist für das untersuchte Keywordset der Fall. Dennoch werden wir die Ergebnisse zu gegebener Zeit durch weitere Analysen ergänzen.

Bei 42% der Suchanfragen ranken .berlin-Domains lokal besser

Nun zu den Ergebnissen: Domains mit der TLD .berlin ranken in der Berlin-lokalisierten Suche tatsächlich besser als in der nicht lokalen Suche – und zwar in circa 42% der Suchanfragen. Zum Vergleich: Bei .de-Domains ranken lokal lediglich ca. 28%, bei .com-Domains, 31% besser.

Searchmetrics - berlin-TLD local

Kurz: Der Anteil der in der (Berlin-)lokalen Google-Suche besser performenden Webseiten ist bei Domains mit .berlin-TLD mit Abstand am größten.

Umgekehrt ist natürlich demzufolge der Anteil von lokal schlechter rankenden .berlin-Domains am geringsten. Dieser liegt bei lediglich gut 22%. Demgegenüber steht jeweils fast ein Drittel, genauer gesagt 32% der .de- und .com-TLDs in diesem Bereich. Jede dritte Domain mit den Endungen .de oder .com rankt Berlin-lokal also etwas schlechter als in der nicht-lokalen Suche.

In knapp 36% der untersuchten Fälle ist das Ranking von .berlin-Domains lokal und nicht-lokal übrigens gleich. Bei .de- und .com-TLDs liegen diese Werte leicht darüber, nämlich jeweils bei ca. 40%, beziehungsweise 37%.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Wenn also .berlin-Domains lokal höhere Rankings aufweisen, um wieviele Positionen höher sind denn diese?

.berlin rankt lokal im Schnitt mehr als eine Position höher

Antwort: Auf dem von uns untersuchten Keywordset errechnete sich im Durchschnitt ein lokaler Rankingvorteil von 1,18 Positionen für .berlin-Domains.

Searchmetrics - berlin-TLD local position

Webseiten mit .de- oder .com-Endung ranken dagegen lokal schlechter, allerdings im niedrigen Nachkommabereich unterhalb einer ganzen Position. Natürlich ranken manche URLs lokal deutlich höher (oder eben niedriger) – manchmal nur eine, manchmal auch 4 Positionen – im Durchschnitt ergeben sich daraus die oben angegeben Werte.

Fazit: Domains mit der lokalen TLD .berlin ranken auf Basis des untersuchten Keywordsets in der (Berlin-)lokalen Google-Suche erstens für den Großteil der analysierten Suchanfragen besser, und zweitens beträgt der Positionsunterschied zudem mehr als einen ganzen Rang. Dies ist zumindest als erster Trend erkennbar und wird nun durch weitere Analysen zu stützen sein.

Spannend wird auch die Entwicklung der branchenspezifischen TLDs sein. Einen Überblick über die bereits aktiven neuen TLDs gibt es übrigens hier.

Ranking-Faktor TLD?

Zurück zur Ausgangsfrage: Können sich die neuen TLDs zu einem Ranking-Faktor entwickeln? Noch ist es sicherlich zu früh, darüber eine Aussage zu treffen. Allgemein sind spezifische TLDs wohl eher nischenrelevant – und dies je nach Art zudem in verschiedenem Ausmaß. Eine .reise-Domain wird demnach schwer mit einer .berlin-Domain vergleichbar sein. Noch dazu stellt sich dann zum Beispiel für ein Berliner Restaurant (nennen wir es „Gaumenschmaus“) die Frage, welche TLD denn nun die beste Wahl ist – www.gaumenschmaus.berlin oder aber auch www.gaumenschmaus.restaurant etc.?

Ganz generell wird Google diese TLDs weniger als Keyword, sondern eher als Kategorie verstehen. Auch bei Backlinks sowie Onpage und vor allem den Content betreffend geht der Trend vom Keyword selbst weg hin zu holistisch-relevanten Topics. Es bleibt abzuwarten, ob Google bei den neuen TLDs diesbezüglich eine Ausnahme machen wird. Mit hinein spielen hier jedoch auch Usersignale. Wenn ein Nutzer beispielsweise eine lokal orientierte Suche durchführt, wird er dann nicht vielleicht eher auf eine lokale TLD klicken, wenn er die Wahl hat?

Zusammengefasst: Sicher werden themenrelevante TLDs dem Ranking nicht schaden, und unsere Analysen zeigen, dass sogar Rankingvorteile messbar sind. Ohne relevante Inhalte wird man jedoch sicher auch mit der passenden TLD nicht besser ranken.

 

*Die Analyse wurde in Zusammenarbeit mit der dotBERLIN GmbH & Co. KG durchgeführt. Das in Berlin ansässige Unternehmen ist Betreiber der .berlin Top-Level-Domain und hatte sich bereits seit 2014 für die Schaffung neuer Namensräume im Internet bei der Verwaltungsorganisation ICANN eingesetzt und deren Erweiterung maßgeblich mit initiiert.

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Hi! Ich bin Daniel, Head of Content Marketing hier bei Searchmetrics. Als Bindeglied zwischen Data Science, SEO, Grafik und Marketing bin ich verantwortlich für die Konzeption, strategische Ausrichtung und Erstellung unserer Inhalte wie Analysen, PR, Studien, Whitepaper und Social Media etc.
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Kommentare (8)

  1. 22. Aug. 2015 23.28 Uhr

    Würde mich interessieren wie das jetzt fast 1 Jahr später aussieht. Gibt es mittlerweile mehr Daten dazu? Ich habe das Gefühl die lokalen TLDs setzen sich nicht wirklich durch. Selbst als lokaler Business will man sich doch nicht mit der .berlin Domain einschränken und subjektiv sehe ich in den Ergebnissen fast nie etwas.

  2. 15. Aug. 2016 19.49 Uhr

    Spannend! Grade einfach mal interessehalber nach der Thematik „Domainendungen“ gesucht und auf diesen Thread aufmerksam geworden.
    Ursprünglich bin ich mit dem Gedanken an das Thema gegangen, dass in Zukunft keinerlei Differenzen mehr in der Bewertung nach Domain im Allgemeinen bestehen wird. Grade hinsichtlich der ganzen Marken, welche ihre Domain eben nach dem Namen wählen. Interessant also, dass dafür die Endung wohl auch weiterhin eine Rolle spielen wird.
    Danke, sehr hilfreich!

  3. 01. Sep. 2016 20.42 Uhr

    Hi,

    mich würde mal ein Update interessieren, der Artikel ist ja nun schon ein paar Tage alt. Rein optisch kann ich den Domains nichts abgewinnen. Gebe ich bspw. „.ruhr“ bei google ein, kommt bis auf ein Funke Medienportal mal garnix. Lediglich der „Pottblog“, dem ich SEO Kenntnisse unterstelle hat sich eine Domain gesichert, der Blog läuft aber seit anno auf der alten .de weiter.

    Da mir eure Studien gut gefallen, würde mich an der Stelle wirklich ein Update interessieren.

    VG
    Daniel

  4. 02. Sep. 2016 09.09 Uhr

    Hi Daniel, da kann ich Dir zumindest eine Perspektive geben, denn das ist weiterhin ein Thema für uns. Wenn auch vielleicht nicht in den nächsten Wochen, aber dazu werden wir auf jeden Fall eine Folgeanalyse machen.

    UPDATE: So ein Zufall. Gerade eben laufen mir intern aktuelle Daten über den Weg, die den Schluss zulassen, dass auf einem relevanten Keywordset der Anteil von .de-Domains zugunsten von (u.a.) neuen TLDs im deutschen Google-Index zurückgegangen ist. Werden wir demnächst veröffentlichen. Stay tuned!

  5. 30. Dez. 2016 14.50 Uhr

    Ich würde mich sehr für ein Update dieses Artikels interessieren, da er ja schon ein paar Wochen alt ist… Habe mich mit dem Thema noch nicht soo intensiv beschäftigt, scheint aber auf jeden Fall sehr relevant für ein gutes Ranking zu sein.
    Ich bleibe am Ball 😀

  6. 04. Feb. 2017 10.47 Uhr

    Sehr Interessantes Thema und schöner beitrag. Auch ich wäre hierzu an einem Update interessiert 🙂

  7. 02. Apr. 2017 13.22 Uhr

    Hallo,
    ein sehr toller Beitrag! Meinem persönlichem empfinden nach haben sich die Verhältnisse schon wieder etwas geändert. Leider finde ich keine aktuellen Infos dazu und drei Jahre sind im SEO-Bereich ja schon wieder eine halbe Ewigkeit 😀 Würde mich über ein Update freuen!

    Viele Grüße,
    Rikardo

  8. 02. Apr. 2017 17.35 Uhr

    Auch wenn ich mir den Artikel zwei mal durchlesen musste, finde ich ihn gut geschrieben. Ich stelle mir immer noch die Frage, ob ein Umzug auf lokale Domains für mich jetzt wirklich Sinn macht oder eben nicht. Es wäre wirklich super, wenn du jetzt nach zwei einhalb Jahren ein kleines Fazit ziehen könntest.

    Liebe Grüße,
    Andi

Trackbacks (6)

  1. 27. Apr. 2015 09.34 Uhr

    […] decided to take a more in-depth look at how new gTLDs might affect rankings. The German SEO platform researched whether .berlin would position as well in search results as […]

  2. 06. Mai. 2015 08.01 Uhr

    […] In einem Blog-Artikel von Searchmetrics aus dem Oktober 2014 wird die Auswertung eines Tests mit Suchanfragen zur Domainendung .berlin präsentiert. Hierbei wurde ermittelt, dass bei 42 Prozent der getesteten Anfragen eine .berlin-Domain durchschnittlich um einen ganzen Platz besser platziert war. Zurückführen könnte man das auf das Klickverhalten der Nutzer (.berlin-Domains fallen eher auf und werden daher eher geklickt) oder auf die Neuregistrierungen (bekanntlich erhalten neue Webseiten von Google einen Newbie-Bonus, um überhaupt in Suchergebnissen aufzutauchen). Womit das positive Ranking auch zusammenhängt, eines steht fest: Suchmaschinen werden die neuen Domainendungen früher oder später als Rankingfaktor mit einbeziehen. […]

  3. 25. Aug. 2015 18.24 Uhr

    […] interessante Studie machte Searchmetrics, die aufzeigt, dass innerhalb von Berlin tatsächlich die .berlin Seiten besser ranken. Jedoch […]

  4. 03. Nov. 2015 16.14 Uhr

    […] it needs to look at a larger sample to definitively conclude the impact of the domain extension, the study found that on average dot-Berlin names came 1.18 positions […]

  5. 03. Nov. 2015 16.44 Uhr

    […] conducted an apples-to-apples comparison of new domain addresses vs. legacy ccTLD addresses and found that, on average, .BERLIN addresses show up 1.18 spots higher in search results than comparable .de […]

  6. 09. Nov. 2016 09.42 Uhr

    […] Ranking-Analyse neuer Top-Level-Domains: ‚.berlin‘-TLDs in der lokalen Google-Suche […]

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